Saison 2018/2019

01./02.12.2018 - Bamberg / Konzerthalle (Joseph-Keilberth-Saal)
Edvard Grieg: Auszüge aus der Schauspielmusik zu »Peer Gynt«
Igor Strawinski: Divertimento aus »Le Baiser de la fée« (»Der Kuss der Fee«)
Niels Wilhelm Gade: »Erlkönigs Tochter«, Ballade nach dänischen Volkssagen für Soli, Chor und Orchester op. 30

Bamberger Symphoniker
Michael Schønwandt, Dirigent
Dénise Beck, Sopran
Marie Henriette Reinhold, Mezzosopran
Christian Elsner, Tenor
Philharmonischer Chor München (Einstudierung: Andreas Herrmann)

Fränkischer Tag, 5.12.2018
Ein gutes Orchester kann wirklich leise spielen
VON UNSEREM MITARBEITER THOMAS AHNERT

Bamberg - Man glaubte ja eigentlich, Edvard Griegs Schauspielmusik zu „Per Gynt“ in
 welcher Zusammenstellung
auch immer oft genug gehört zu
haben. Und dann kommt der
 Däne Michael Schonwandt und
 spielt mit den Bamberger Sym
phonikern eine eigene Zusammenstellung aus „The Best of“, 
und plötzlich hört man ungemein viele neue Aspekte.

Das war die eine Überraschung des Konzerts.
 Schonwandt ist nicht unbedingt
 der große Rhythmiker. Das kön
nen die Bamberger alleine. Sondern er hat ein ungemein gutes 
Gespür für Klangfarben und ih
re Wirkung. Er kann plastische
 Stimmungen erzeugen, und er 
kann zeigen, wie leise ein wirk
lich gutes Orchester spielen
 kann. Auf dieser Basis kann er
 auch einzelnen Tönen besonde
res Gewicht verleihen, etwa ei
ner einzelnen gestopften Trom
pete oder einer kleinen Streicherfigur oder dem Gesang der
 Flöte. Durch diese Tiefenschär
fe bekommt die Musik erzähle
rische Züge, und plötzlich merkt man, dass in ihr bei aller Mystik
auch eine ganze Menge Humor
 stecken kann, wenn man ihn findet. Natürlich reizt Schonwandt 
die dynamische Skala nicht nur
 am unteren Ende aus.

Bei dem Arabischen Tanz
 durfte es auch mal ziemlich derb 
zugehen, und „In der Halle des
 Bergkönigs“ ließen es die Trolle,
 einmal in Fahrt gekommen, der
art krachen, dass eine Steigerung 
nicht mehr möglich war.

-- Ein bisschen blutarm --

Aber immer wieder kehrte das
 Orchester in die Bereiche des 
Leisen zurück. „Solveigs Lied“,
 am Ende von der Sopranistin
 Denise Beck mit dunkel tim
brierter, in sich ruhender Stimme gesungen, war ein wunderbarer Abschluss.

Gegen diese Intensität fiel 
Igor Strawinskys „Der Kuss der
 Fee“ ein bisschen ab. Das Werk
 entstand 1927 als Auftrag der 
Tänzerin und Choreographin
 Ida Rubinstein zum Gedenken
 an Tschaikowskys 35. Todestag
 im folgenden Jahr. Als Ballett ist 
das viersätzige Werk sicher hervorragend geeignet. Aber als
 Konzertstück ist es für Strawinskys Verhältnisse ein bisschen 
blutarm. Man konnte sich nicht 
des Eindrucks erwehren, dass
 die Wiederbegegnung mit
 Tschaikowsky, von dessen Einfluss er sich in jungen Jahren 
ganz bewusst gelöst hatte, ihn 
etwas bremste - obwohl er ihn
 zitiert. Was absolut begeisternd war,
 war die Umsetzung dieser 
rhythmisch enorm komplizier
ten Musik. Aber die Bamberger 
scheinen gerade solche Heraus
forderungen besonders zu mö
gen. Wenn man bedenkt, dass sie 
dieses schwierige Werk fast auf 
den Tag genau vor 18 Jahren zu
letzt gespielt haben, konnte man
 von ihrem mitreißenden Zugriff
 nur begeistert sein.

Und dann kam etwas Außergewöhnliches: Niels Wilhelm
 Gades „Elverskud“ („Erlkönigs
Tochter“), eine Ballade nach dänischen Volkssagen für Soli,
 Chor und Orchester op. 30.
 Auch wenn dieses Werk nach sei
ner Uraufführung 1854 in Ko
penhagen sehr schnell rund um 
die Welt ging, gehört es heute zu 
den Raritäten auf den Pro
grammzetteln. Das liegt zum ei
nen sicher daran, dass man erst einmal einen Chor und drei So
listen finden muss, die diese Bal
lade drauf haben. Man muss aber auch sagen,
 dass Michael Schonwandt ein
 Team zur Verfügung hatte, das 
seinen Stimmungszauber wunderbar umsetzen konnte. Der
 Philharmonische Chor Mün
chen in der Einstudierung von 
Andreas Herrmann sang seinen 
Part des Erzählers, Kommenta
tors, Warners außerordentlich
 präsent und zupackend, mit großer Konturenschärfe und deutli
cher Artikulation.

-- Solisten völlig vergessen --

Und mit mancher Überraschung: Der Epilog war ein biss
chen hinterfotzig, besserwisse
risch gesungen nach dem Motto:
 Wir haben es ja schon immer ge
wusst - und das in einem geradezu gemütlichen Sechsachteltakt.

Eines war am Ende schade: 
Michael Schonwandt war so da
mit beschäftigt, den Chor und 
das Orchester zu feiern, dass er 
seine Solisten vergaß, die wie bestellt und nicht abgeholt etwas
 ratlos mitten in dem Geschehen 
standen. Sie hätten auch jede
 Menge Bravos verdient.


13./14.10.2018 - Philharmonie / Gasteig München
Festival zum 125. Geburtstag der Münchner Philharmoniker

Festkonzert
Igor Strawinsky: Psalmensymphonie
Gustav Mahler: Symphonie Nr. 8 ("Symphonie der Tausend")

Münchner Philharmoniker
Augsburger Domsingknaben
Orfeón Donistiarra
Philharmonischer Chor München
Dirigent: Valery Gergiev

Geburtstagsmatinee
BEDŘICH SMETANA
Ouvertüre zu »Die verkaufte Braut«
PAUL HINDEMITH
Symphonische Metamorphosen über Themen von Carl Maria von Weber
ANTON BRUCKNER
Symphonisches Präludium
GUSTAV MAHLER
2. Satz aus der Symphonie Nr. 2 c-Moll »Auferstehung«
RICHARD WAGNER
Vorspiel zum 1. Aufzug aus »Die Meistersinger von Nürnberg«
Münchner Philharmoniker
Dirigent: Valery Gergiev

Clytus Gottwald / Gustav Mahler:
a-cappella-Transkription des Adagiettos aus der 5. Symphonie von Gustav Mahler
"Wir sind durch Not und Freude gegangen Hand in Hand"

Philharmonischer Chor München, der Chor der Münchner Philharmoniker
Dirigent: Andreas Herrmann

Freundschaftskonzert
Arnold Schönberg: Verklärte Nacht
Peter Tschaikowsky: Jolanthe (konzertatnte Aufführung)
Orchester und Solisten des Mariinsky Theaters St. Petersburg
Philharmonischer Chor München
Einstudierung: Andreas Herrmann
Dirigent: Valery Gergiev

Süddeutsche Zeitung vom 15.10.2018
Klassik
Hand in Hand durch Not und Freude
Die Münchner Philharmoniker feiern ihren 125. Geburtstag, mit Valery Gergiev, Mahlers achter Symphonie, noch viel mehr Musik und einer großen Torte
Von Egbert Tholl

Treffen sich der Bayerische Kunstminister, der Intendant des Bayerischen Rundfunks und der Münchner Kulturreferent. Sagt der erste, mit dem Staatsorchester habe man das beste Orchester Europas. Sagt der zweite, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks sei das beste der Welt. Der Kulturreferent denkt kurz nach und meint dann, mit den Münchner Philharmonikern habe man das beste der Stadt. Und da nun alle drei Orchester in ein und derselben Stadt beheimatet sind, kann man sich denken, wie das gemeint ist.

Hans-Georg Küppers, der Münchner Kulturreferent, hat diese Begegnung vielleicht wirklich so erlebt, vielleicht hat er sie sich auch ausgedacht, auf jeden Fall nutzt er die Absenz der Münchner Bürgermeister - Last-minute-Wahlkampf oder durch diesen bedingte Erschöpfung? - für eine launige Rede. Die Münchner Philharmoniker feiern Geburtstag, 125 Jahre, und sie sind seit 1902 ein städtisches Orchester, weil ihr Gründer, Franz Kaim, die Idee von Konzerten für alle verfolgte, die Eintrittspreise entsprechend niedrig waren und das nicht lange gut ging ohne Unterstützung. Auch so eine Geschichte, die gut zur aufgekratzten Stimmung des Abends passt und eine Reihe von Bekenntnissen einläutet, vor dem Konzert und danach. Hans-Georg Küppers: "Wir als Stadt werden alles dafür tun, dass das Orchester auf internationalem Niveau bleiben kann." Intendant Paul Müller lobt das Engagement der Stadt, Valery Gergiev auch, empfindet das Orchester als "well protected".

Das alles kann man erzählen, weil es beim Geburtstagskonzert am Samstag ein wenig dauert, bis Gergiev die Bühne betritt - er musste noch schnell mit seiner Mutter telefonieren. Das bringt ihn aber keineswegs aus dem Konzept, und er dirigiert Strawinskys "Psalmensymphonie" mit der größten Inbrunst, die man dem Werk abgewinnen kann. Am Ende entschweben der Philharmonische Chor und das Orchester in lichteste Schönheit, dann ist Pause.

Nach der das Ereignis, Mahlers Achte, uraufgeführt am 12. September 1910 in der Neuen Musik-Festhalle an der Theresienwiese, von den Philharmonikern und insgesamt eintausend Mitwirkenden. So viele sind es nun nicht, aber immerhin drei Chöre: Neben dem Philharmonischen singen die Augsburger Domsingknaben und die Chorgemeinschaft Orféon Donostiarra aus San Sebastian. Dazu kommen acht Gesangssolisten, darunter der im Laufe der Aufführung immer feiner werdende Stephen Gould, der profunde Bass Evgeny Nikitins und zwei poetische Sopranistinnen, Viktoria Yastrebova und Jacquelyn Wagner. Zumindest sind sie dann poetisch, wenn Mahler und Gergiev dies zulassen, was bei der hier herrschenden Lautstärke (inklusive Orgel) nicht immer gegeben ist.

Man braucht die vielen Solisten, den prägnanten Bariton Boaz Daniel, die wunderschöne Stimme aus der Höhe von Regula Mühlemann, man braucht die Altistinnen Wiebke Lehmkuhl und Gerhild Romberger, weil Mahler in seiner Symphonie einen lateinischen Hymnus und die Schlussszene aus Goethes "Faust", zweiter Teil, vertont. Gerade letzteres ist ein völlig eskapistisches Unterfangen, das an diesem Abend mitunter gehörig rumpelt, aber doch immer aufregender wird. Ähnlich wie zuvor beim Strawinsky kostet Gergiev die Wirkmächtigkeit der Musik aus und steuert, auf Um- und Abwegen zwar, aber letztlich zielstrebig, auf ein umwerfendes Ende in "höhern Sphären" zu. Danach gibt es eine Art Liebeserklärung von Orchestervorstand Matthias Ambrosius an den Chef und eine Riesentorte von den Freunden und Förderern der Philharmoniker.

13 Stunden später sind Gergiev und die Musiker wieder da und geben, herrlich geistreich moderiert von Maximilian Maier, eine Geburtstagsmatinee mit geschichtsträchtigen Stücken. Die Ouvertüre von Smetanas Oper "Die verkaufte Braut" spielten die Philharmoniker bei ihrem ersten Konzert überhaupt, am 13. Oktober 1893. Das war allerdings in Augsburg, erst am Tag danach in München, und vielleicht hörte sich das damals, bedingt durch die Nebenwirkungen der Feierlichkeiten, ähnliche hoppelig an wie heute. Hindemiths "Symphonische Metamorphosen", für die Sergiu Celibidache einst eigene Glocken anfertigen ließ, bestechen danach mit eigenwilligem Humor, Bruckners "Symphonisches Präludium" mit zarter Verträumtheit. Das posthum entdeckte Stück wurde auch schon mal Gustav Mahler zugeschrieben, nicht völlig abwegig, bis sich ein klassisches Bruckner-Crescendo Bahn bricht.

Wagners "Meistersinger"-Ouvertüre breitet sich sämig in der Philharmonie aus, und Mahler selbst gibt es auch, den zweiten Satz aus der zweiten Symphonie, und als Ständchen vom Chor das Adagietto aus der Fünften, das Clytus Gottwald mit Eichendorffs "Abendrot" in ein A-capella-Stück verwandelte: "Wir sind durch Not und Freude, gegangen Hand in Hand."

Süddeutsche Zeitung vom 16.10.2018
Konzert
Vollends verblüffend - Das Mariinsky Orchester mit "Iolanta" und Münchner Hilfe
Von Egbert Tholl

Zum Abschluss des Geburtstagswochenendes erhalten die Münchner Philharmoniker ein grandioses Geschenk: Das Mariinsky Orchester spielt Tschaikowskys Oper "Iolanta". Vor allem aber hat Valery Gergiev zehn Solisten von diesem seinem Opernhaus mitgebracht, und die machen das Erstaunlichste, was man vielleicht je an konzertanter Oper in der Philharmonie erlebt hat. Da das Ganze ein "Freundschaftskonzert" ist, wirkt der Philharmonische Chor mit. Und zuvor spielt das Streichorchester des Mariinsky Schönbergs "Verklärte Nacht", stehend, wach, konzentriert. Und wer steht da am ersten Pult? Lorenz Nasturica-Herschcowici, Konzertmeister bei den Münchner Philharmonikern, aber oft auch in Gergievs Sphären in Russland tätig, wie erst jüngst, als Gergiev unter Putins Anwesenheit den neuen Saal in Moskau eröffnete. Also eben "Freundschaftskonzert".

Ist schon beim Schönberg das organische Zusammenwirken der Musiker mit Gergiev bemerkenswert, so ist es dann bei der Oper vollends verblüffend. Das Orchester spielt wie ein einziges, vielgestaltiges, vielklingendes Instrument. "Iolanta" ist eine Märchenoper, ein Poem, kaum dramatisch, aber wunderschön. Es gibt einen milden Konflikt und ein glückliches Ende: Iolanta ist blind, ihr Vater, König Rene, schottet sie in einem Zaubergarten von der Außenwelt ab. Sie soll nicht wissen, dass sie nichts sieht, doch meint Ebn-Chakia, ein Arzt aus dem Morgenland, die Kenntnis über ihre Situation wäre der erste Schritt zur Heilung. Das klappt, weil der Ritter Vaudémont mit seinem Freund Robert, ursprünglich der Verlobte Iolantas, ins Paradies hereinschneit, Iolanta in Unkenntnis des Schweigeverbots die Wahrheit erzählt, sie daraufhin sehend wird und er sie heiratet. Alle sind froh, und Robert ist frei für seine neue, schwarzäugige Geliebte Mathilde.

Zu Beginn treten Iolanta (Irina Churilova) und ihre Damen auf, ein zwitscherndes Vergnügen, dann folgt Bertrand, der Pförtner des Schlosses. Eine kleine Partie, die man normalerweise entsprechend besetzen würde. Hier klingt Yuri Vorobiev, als brächte er seine eigene Klangkathedrale mit. Das ist völlig verblüffend, und man hat nicht nur bei ihm, nein bei allen Solisten das Gefühl, man verstünde Russisch, obwohl das überhaupt nicht der Fall ist, einfach deshalb, weil alle Sängerinnen und Sänger so präsent sind, als wäre die Philharmonie ein Opernhaus. Und sie singen ausnahmslos wunderschön.

Valery Gergiev ist einfach immer gut für Überraschungen. Bei den vorangegangenen Konzerten an diesem Wochenende gab es durchaus noch Raum für Feinjustierungen. Dann aber stellt er diese Aufführung hin. Er ist ein positiv Musikverrückter. In dieser Hinsicht hat er auch in München viele philharmonische Mitstreiter, die kammermusikalisch den ganzen Sonntag bespielten.

dpa-Meldung vom 15.5. (und so in zahlreichen Medien veröffentlicht - zN nmz, KIZ-Nachrichten, RTL online, ORF, musik-heute u.a.)
Münchner Philharmoniker geben umjubeltes Jubiläumskonzert

15.10.18 - München - Die Münchner Philharmoniker haben mit einer umjubelten Aufführung von Gustav Mahlers 8. Symphonie in Es-Dur mit dem Beinamen «Symphonie der Tausend» ihr 125-jähriges Bestehen gefeiert. Fast zehn Minuten lang wurden die etwa 300 Mitwirkenden des Riesenwerkes am Samstagabend in der Münchner Philharmonie gefeiert. Am Pult stand Waleri Gergijew, seit 2015 Chefdirigent der Philharmoniker.

Mahlers 8. Symphonie war 1910 unter Leitung des Komponisten von dem Orchester in München uraufgeführt worden. Damals dauerte der Applaus allerdings mehr als eine halbe Stunde.

Der Münchner Kulturreferent Hans-Georg Küppers würdigte die Münchner Philharmoniker in einer launigen Ansprache als «bestes Orchester der Stadt» und versicherte, die Stadt München werde alles tun, um das internationale Niveau des Klangkörpers zu sichern.

Die Jubiläums-Aufführung bestritten neben den Philharmonikern in Großbesetzung der Philharmonische Chor München, der spanische Chor Orfeón Donostiarra aus San Sebastian, die Augsburger Domsingknaben sowie ein achtköpfiges Solistenensemble, darunter der russische Bass Evgeny Nikitin sowie der US-Heldentenor Stephen Gould. Beide sind häufige Gäste der Bayreuther Festspiele.

Die Geburtstagsfeierlichkeiten werden am Sonntag unter anderem mit einem Konzert fortgesetzt, bei dem Werke erklingen, die in der Geschichte des Orchesters von besonderer Bedeutung waren. Die Philharmoniker wurden im Jahre 1893 gegründet und zählen heute zu den bedeutendsten Klangkörpern Deutschlands.

bachtrack.com vom 14.10.2018
Ein Festkonzert zu Ehren 125 Jahre Münchner Philharmoniker
Von David Renke

(...) Die Verwendung der lateinischen Psalmentexte war für Strawinsky nicht primär mit einem religiösen Statement in westlicher Kirchentradition verbunden, vielmehr ermöglichte ihm das Latein, den Text unmittelbar in die Musik einzubinden und jegliche Ausdeutung dem Zweck der Klangmalerei unterzuordnen. Diese gestrenge Form und rhythmische Prägnanz machte sich der Philharmonische Chor zu eigen, verzichtete auf jegliche Emotion und gestaltete gerade deshalb eine höchst eindrucksvolle Interpretation. So geschlossen düster und spannungsgeladen hörte man die hymnischen „Alleluia“-Rufe selten. (...) Auch am heutigen Abend klangen die Philharmoniker dunkel und voll. Detailreich gestaltete Gergiev die instrumentalen Passagen der Symphonie, die er in teilweise kammermusikalischer Feinheit den monumentalen Chorsequenzen entgegensetzte.(...)

Klassikinfo 14.10.2018
Zum 125. Geburtstag der Münchner Philharmoniker: Gergiev dirigiert Mahlers Achte
Kunstbeschwörung

Valery Gergiev dirigiert zum 125. Geburtstag der Münchner Philharmoniker Mahlers Achte und Strawinskys Psalmensinfonie
Von Robert Jungwirth

(...) In jedem Fall ist es in höchstem Maße unbescheiden in seinen Dimensionen und Ambitionen, und man muss das sicher nicht in allem goutieren. Dennoch ist der Kunstwille, der ungeheure Schaffensakt beeindruckend. Mahler wollte einen Hymnus an die Kraft der Schöpfung komponieren, die jedem Menschen – als Teil dieser Schöpfung – innewohnt. Das ist die positive – und so gesehen -antiimperialistische Aussage des Werks. Und Gergiev, die Münchner Philharmoniker, der Philharmonische Chor München, der spanische Chor Orfeon Donostiarra, die Augsburger Domsingknaben sowie die Gesangssolisten Viktoria Yastrebova, Jacquelyn Wagner, Regula Mühlemann, Wiebke Lehmkuhl, Gerhild Romberger, der Bayreuther Tristan Stephen Gould, Boaz Daniel und Evgeny Nikitin sorgten allesamt für eine rundum gelungene und hochengagierte Einlösung dieser Kunstbeschwörung. (...)