Saison 2018/2019

8./9.3.2019 München Philharmonie / Gasteig
Igor Strawinsky: The Rake's Progress

Münchner Philharmoniker in Zusammenarbeit mit "Equilibrium Young Artists"
Dir.: Barbara Hannigan

Münchner Merkur vom 16.5.2019

Oper aus der Kiste

Kunstnebelschwaden hängen im Gasteig, auf der Bühnenmitte steht eine große Holzbox. Zum ersten Akkord knallen die Seitenwände auf den Boden, und zum Vorschein kommt, wie Kai aus der Kiste, Gyula Rab alias Tom Rakewell. Der junge Sänger mit dem zarten, schönen Tenor gehört wie alle Darsteller zum „Equilibrium Young Artists“ Projekt von Barabara Hannigan. Mit dieser Initiative möchte sie angehende Künstler fördern. Kern des Unternehmens ist das „Rake Project“, eine halbszenische Aufführung von Igor Strawinskys „The Rake’s Progress“, das in dieser Saison in über zwanzig Vorstellungen in Europa und den USA präsentiert wird, so auch jetzt bei den Münchner Philharmonikern.

Es zeugt von beachtlichem Mut und Lust an der Innovation, dass sie sich darauf eingelassen haben. Die Idee von Regisseur Linus Fellbom, die Oper quasi in einer sich öffnenden Kiste zu verstauen, aus der sich ortsunabhängig der Theaterzauber entfaltet, ist gut. (...)

Sofie Asplund (Anne) möchte man sofort in etlichen Mozartrollen hören, Douglas Williams fehlt für den Nick noch ein Schuss heldischer Dramatik in der Höhe, darstellerisch ist er imposant. Eine Entdeckung ist Marta Swiderska (Baba) mit fulminantem Alt. Der Philharmonische Chor kniet sich rein in diese Produktion, man merkt, wie sich alle freuen, auch szenisch agieren zu können. (...)

AZ vom 16.5.2019

Wo bleibt das Dämonische?

Im Gasteig dirigiert Barbara Hannigan eine halbszenische Aufführung von Igor Strawinskys Oper „The Rake‘s Progress“ – es spielen die Münchner Philharmoniker.

Entstanden ist diese Produktion in Zusammenarbeit mit der von Hannigan gegründeten Nachwuchsinitiative „Equilibrium Young Artists“. Die Darsteller sind somit allesamt noch ziemlich jung. Zu den einzelnen Rollen passt das unterschiedlich gut. Mit seinem hellen, gleichsam noch unbeschriebenen Tenor kann Gyula Rab die Unschuld des Tom Rakewell besser glaubhaft machen als seinen späteren Verfall. Oder bleibt er während seines gesamten sozialen Abstiegs der reine Tor, der er einmal war? Dann würde man nur an dem teufelsgleichen Nick Shadow das Verführerische vermissen. Was Douglas Williams in dieser Rolle an Dämonie noch fehlt, gleicht er aber durch seine intelligente Gestaltung aus. Sofie Asplund ist eine liebliche Anne Trulove mit hübschem Sopran, der immer in die Höhe zu streben scheint. Die Traurigkeit, die diese unglücklich Liebende in ihren Arien ausdrückt, kann sie nicht einfangen. An die pralle Theaterhaftigkeit der Marta Swiderska, die das bärtige Zwitterwesen Baba gibt, reicht keine der Hauptfiguren heran.

Auch nicht das Orchester. Zwar leitet Barbara Hannigan die Münchner Philharmoniker ordentlich, im Vergleich zu ihrem letzten Auftritt fallen nur wenige Unsicherheiten ins Ohr. Doch wäre es nicht gerade in einer halbszenischen Aufführung möglich, die vielen Feinheiten der Partitur weitaus stärker auszuloten, etwa die melodischen Linien zu schärfen und die allgegenwärtigen Begleitfiguren durch Impulse präsenter zu halten? Hannigan reduziert das Orchester auf seine Begleitfunktion und schafft es nicht, die Verfremdungen und Verrückungen zu entdecken, die Strawinsky am neoklassizistischen Material vornimmt.

Man merkt, dass die Philharmoniker mit diesem Werk Strawinskys nicht sonderlich vertraut sind. So bleibt es an manchen Stellen dem Philharmonischen Chor München (Einstudierung: Andreas Herrmann) überlassen, die musikalische Handlung beherzt nach vorne zu treiben.
Michael Bastian Weiß

Süddeutsche Zeitung vom 16.5.2019

"The Rake's Progress" in der Philharmonie
Im Wanderkubus
Halb Konzert, halb Szene: Barabara Hannigan und das Orchester werden in dieser Produktion auch selber zu Darstellern.

-- Mit Strawinskys "The Rake's Progress" begann ihre Gesangskarriere. Nun sieht Barbara Hannigan in dieser Oper auch eine Chance für den Nachwuchs. --

Zehn Jahre noch, dann müsse sie die Bühne für den Nachwuchs räumen. So spricht Barbara Hannigan über ihre professionelle Zukunft in einem Video. Umso mehr will sie sich bemühen, damit diejenigen, die an ihre Stelle treten, ebenso für die Musik brennen wie sie.

Hannigan, 48, Sopranistin und Dirigentin, hat deshalb eine Nachwuchsinitiative mit dem Namen Equilibrium ins Leben gerufen. Die ersten Teilnehmer dürfen sich nun in jener Oper beweisen, mit der für die damals 23-jährige Hannigan ihre Karriere mit dem ersten großen Opernauftritt als Sängerin ihren Anfang nahm: Igor Strawinskys "The Rake's Progress". (...)

Hinter der konventionellen Fassade einer neoklassizistischen Nummernoper verbirgt Strawinsky immer wieder auch Irritationen, für die Hannigan ein gutes Gespür beweist. Sie behält stets alle Elemente im Blick und vernachlässigt den changierenden Rhythmus in keinem Moment. Die Frau mit dem wallenden blonden Haar, das bei jeder Bewegung die Aufmerksamkeit auf sich zieht, setzt auf die Gesamtheit des Klangs, und obwohl es dadurch an mancher Stelle an entschiedenen Akzenten fehlt, gelingt ihr ein Rundumschlag.

Eigentlich genau richtig für das, was sich auf der Bühne abspielt. (...)


8./9.3.2019 München Philharmonie / Gasteig
Arnold Schönberg: Friede auf Erden
Alban Berg: Violinkonzert
Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem d-moll

Münchner Philharmoniker
Dir.: Barbara Hannigan

Süddeutsche Zeitung vom 11.3.2019
Kurzkritik
Brennend und konzentriert
Barbara Hannigan dirigiert die Philharmoniker
Von Harald Eggebrecht

Nach dem letzten Ton von Wolfgang Amadé Mozarts Requiem entstand in der Philharmonie jene lange Pause, die vom großen Respekt vor dem verklungenen Stück und der Intensität der Aufführung kündet. Barbara Hannigan, der weltberühmten Sängerin, war es auch als Dirigentin gelungen, Musik gleichsam brennen zu lassen, so konzentriert und beschwörend befeuerte sie Chor und Orchester, ohne je Übersicht und Balance zu verlieren. Auch wenn das junge Solistenquartett (Elizabeth Karani, Sopran; Tuuri Dede, Mezzosopran; Thomas Elwin, Tenor; Erik Rosenius, Bass) noch etwas zaghaft wirkte, es passte dennoch gut in diese ungemein geschlossene Aufführung, bei der die vervollständigende Fassung des Mozart-Schülers Franz Xaver Süßmayr geboten wurde. Hannigans Zeichengebung verstärkte bei aller Festigkeit in Tempo und Artikulation besonders die Kantabilität, auch das Lyrische bei allen Beteiligten in diesem mit einem fast undurchdringlichen Mythendikicht umgebenen letzten Werk Mozarts.

Schon der Beginn des Abends zeugte von gesanglicher Sorgfalt und großer Hingabe, als Hannigan Arnold Schönbergs Chor "Friede auf Erden" nach dem Text von Conrad Ferdinand Meyer in der a capella-Fassung von 1907 mit dem insgesamt eindringlichen Philharmonischen Chor überzeugend und konsequent intensivierte. Alban Bergs Violinkonzert, wie Mozarts Requiem ein letztes, allerdings vollendetes Werk, erklang mit Christian Tetzlaff als grandiosem Solisten hell timbriert, erregt ohne Hysterie, aufregend im Auskosten von schmerzlicher Süße ebenso wie in der Deklamation des dramatischen zweiten Satzes. Hannigan dirigierte hier mit Stab, sehr bedacht darauf, Tetzlaff nicht mit orchestraler Massigkeit zu bedrängen. Trotzdem hätte der große Zusammenbruch vor dem Bach-Choralzitat vielleicht doch heftiger, zerstörerischer sein können. Riesenbeifall und eine Bach-Zugabe von Tetzlaff, deren wunderbar ausformulierte Poesie den vollen Saal in eine stille Zuhörgemeinde verwandelte.

AZ vom 11.3.2019
Münchner Philharmoniker
Barbara Hannigan dirigiert Mozarts "Requiem"
Felicia Englmann
Barbara Hannigan dirigiert das Mozart-Requiem bei den Münchner Philharmonikern

"Der Tod, das muss ein Wiener sein“, stellte Georg Kreisler einst fest, und sein Wienerlied von 1969 wäre die ideale Pausenmusik für die beiden Abende der Dirigentin Barbara Hannigan bei den Münchner Philharmonikern und dem Philharmonischen Chor gewesen. Mozarts „Requiem“ und zwei Werke der Wiener Schule sind zu einem Programm über Endlichkeit zusammengestellt. Arnold Schönbergs Chorwerk „Friede auf Erden“ (1907) stellt mit schmerzlichen Klängen die Frage, ob letzterer überhaupt möglich sei. Das Wort „Friede“ leuchtet immer wieder auf – und vergeht wieder.

(...)

Als Gesangssolisten hat Hannigan vier Künstler aus ihrem Mentoring-Programm „Equilibrium Young Artists“ mitgebracht. Alle vier fallen auf ihre Art und Weise auf, positiv Thomas Elwin mit einem schönen Tenor. Die dramatischen Passagen gehören im Mozart-Requiem aber ohnehin dem Chor. Barbara Hannigan schöpft hier aus dem Vollen: Mit weit ausgebreiteten Armen und gespreizten Fingern beschwört sie mächtige Crescendi herauf, lässt die Musik an- und wieder abschwellen. Sie hat keine Scheu vor der Klangfülle und dem ganz großen Forte. Die Musik wird jedoch nie wütend, schroff, oder bizarr, sie bleibt warm und versöhnlich und begegnet dem Tod mit menschlicher Leidenschaft.

Hannigan und die Philharmoniker feiern mit dieser Interpretation das Leben, das im Bewusstein der Vergänglichkeit bis ins Letzte ausgekostet wird.

Eine Aufzeichnung des Konzerts ist am Mittwoch, 20. März 2019, 20.05 Uhr, auf BR KLASSIK zu hören. Barbara Hannigan dirigiert am 14. und 15. Mai „The Rake’s Progress“ bei der Münchner Philharmonikern

MM vom 11.3.2019
Das ist ihr Weg
Barbara Hannigan und die Philharmoniker
von Maximilian Maier

(...) Mehr
 vom Klang her gedacht diri
giert Hannigan das Mozart-
Requiem, mit durchgehend
 flotten Tempi. Das kann aufregend und höchst agogisch wirken (...). Zentrum dabei ist
 der Philharmonische Chor.
 (...) Hannigan holt aus den Sängerinnen und Sängern
 eine Klangqualität heraus, die
 auch für diesen Chor eine 
neue Dimension darstellt.


2.3.2019 (Theater Schweinfurt)
3.3.2019 (Konzerthalle Bamberg)
Johann Strauss: Die Fledermaus
Bamberger Symphoniker
Dir.: Manfred Honeck

Main-Post vom 5.3.2019

SCHWEINFURT
"Ich bin heut' so blöd, ich könnt' direkt Amerika regier'n!"
Die Bamberger und ein frecher Frosch begeistern zum 500. Mal
Elke Tober-Vogt

(...) Vorzügliche Sanges- und Schauspielkunst, Kostümierung, erfrischender Temporeichtum und etwas Boulevard fügten sich zu einer Funken sprühenden, unterhaltsamen und Laune machenden Inszenierung. Für die Chorpartien stand der erstklassige Philharmonische Chor München (Einstudierung Andreas Herrmann) zur Verfügung, glanzvoll und perfekt. (...) dieser Abend gab Anlass zum Feiern: minutenlanger Jubel, Ovationen im Stehen.

In Franken.de (5.3.2019)
Premiere
"Die Fledermaus" versetzt Bamberger in den Operettenzauber

(...) Spätestens im champagnerseligen Duidu war die Stimmung in der Konzerthalle genauso animiert wie beim Wiener Opernball. Auch die einzige Fledermaus im Auditorium und der Träger der übergroßen Fliege waren am Ende restlos charmiert. Viel Zwischenapplaus, begeisterte Bravorufe, stehende Ovationen.


17.02.2019 - Philharmonie de Paris
Gustav Mahler: Symphonie Nr. 8 ("Symphonie der Tausend")
Münchner Philharmoniker
Augsburger Domsingknaben (Einstudierung: Reinhard Kammmler)
Orfeón Donistiarra (Einstudierung: José Antonio Sáinz Alfaro)
Philharmonischer Chor München (Einstudierung: Andreas Herrmann)
Dirigent: Valery Gergiev

Bachtrack vom 20.2.2019

Aux Mahler de Gergiev (2) : bienheureuse Symphonie des Mille
Von Tristan Labouret

Un orgue à pleins tubes, des cuivres rutilants, des chœurs survitaminés : ainsi commence la Symphonie n° 8 « des Mille », ultime sommet d’un week-end 100% Mahler à la Philharmonie de Paris. En ce dimanche après-midi, l’effectif orchestral et vocal est bien loin du millier d’exécutants sollicités le jour de la création de l’ouvrage, un siècle plus tôt, mais cela n’empêche pas le concert d’être hautement spectaculaire. Le seul mouvement de deux cents choristes se levant comme un seul homme avant de donner des cordes vocales suffit à couper le souffle. Le plateau orchestral est tout aussi fascinant, grouillant d’une armada exceptionnelle. On savoure l’image rare de quatre hautbois brandissant leur pavillon dans un tutti ; un peu plus loin, l’éclat de trois paires de cymbales fracassées simultanément achève d’éblouir l’auditoire.

Le concert inégal de la veille laissait pourtant craindre le pire : qu’allait donner la direction minimaliste de Valery Gergiev à la tête de ce poids lourd mahlerien? Aux grands maux les grands remèdes : le chef démultiplie sa battue habituellement confidentielle, balaie une mesure large, va jusqu’à bondir sur scène pour marquer de tout son poids un sommet expressif. Il fallait donc « les Mille » pour faire sortir Gergiev de ses gonds ! Cette inhabituelle débauche d’énergie ne suffit pas toujours face à la complexité de la partition : en première partie, le maestro fait ce qu’il peut pour démêler le contrepoint fourni du « Veni, creator spiritus » mais sa gestique dispersée rend confus les fréquents changements de mesure. Dans la deuxième partie de l’ouvrage, son souci de maîtrise et de clarté provoque un autre effet : Gergiev trace une route décidée dans cette scène inspirée de Faust, unifiant le drame symphonique… au risque d’en émousser les aspérités. Si on savoure l’ancrage du tempo et la clarté de l’orchestration au début du mouvement, on regrette un peu plus loin que cette architecture solide prime sur les embardées spontanées de la partition.

L’interprétation n’en reste pas moins admirable sur bien des plans. Les trois chœurs, les solistes et l’orchestre témoignent de la même implication et de la même justesse, délivrant un ensemble constant dans l’excellence. L’association de l’Orfeón Donostiarra avec le Philharmonischer Chor de Munich produit notamment des étincelles, les choristes des deux formations se répondant avec la même puissance et la même clarté d’élocution. Réunis, ils donnent à entendre une seule voix, tonitruante et surnaturelle. Si le chœur d’enfants de la cathédrale d’Augsburg paraît en retrait, peinant parfois à se conformer aux changements brusques de tempo ou de nuance, jamais les choristes ne donneront l’impression de peiner face à l’effectif orchestral.

Sur scène, les Münchner Philharmoniker sont exemplaires, chaque pupitre cherchant la cohésion avant toute chose. La rondeur des cuivres apporte plénitude et majesté au son de l’orchestre. Les huit cors se joignent aux contrebasses pour constituer le socle indéboulonnable de l’édifice symphonique. À la surface, les violons mènent l’ensemble avec une souplesse de phrasé idéale, guidés par Lorenz Nasturica-Herschcowici, Konzertmeister inspiré dans ses solos délicats.

À l’arrière de la scène, la batterie de chanteurs solistes est là encore remarquable d’homogénéité, notamment concernant les voix de femmes : uniformisant les vibratos, leur quatuor vocal se montre si soudé qu’il est parfois difficile de distinguer qui chante, les deux sopranos se passant le relais dans des suraigus intenses et aériens. Par la chaleur de son timbre, la puissance de son registre médium et le rayonnement de son vibrato, le baryton Michael Nagy n’est pas en reste, quitte à éclipser Evgeny Nikitin, basse peu à son aise dans les grands intervalles qui sillonnent sa partition, et Simon O’Neill, vaillant ténor aux aigus poussifs. La soirée atteint son apogée avec l’apparition d’une soprano séraphique dans les hauteurs de la Philharmonie. Le gigantesque ouvrage en arrive à sa conclusion bienheureuse : « L’inaccessible, ici, n’est plus hors d’atteinte », chantent les chœurs d'une seule voix. On ne saurait mieux dire.

ForumOpera.com vom 18.2.2019

En plein dans le mille !
Mahler Huitième Symphonie - Paris

Par Clément Taillia | lun 18 Février 2019 |

(...) juste avant le chœur final. Dans cette vision, surtout, toute latitude est laissée aux chœurs pour s’épanouir : les forces conjuguées du Philharmonischer Chor München, de l’Orfeon Donostiarra et des jeunes voix, d’une inattaquable musicalité, des Augsburger Domsingknaben, émerveillent dans chacune de leurs interventions pour soulever la salle dans les dernières mesures. (...)

El Diario Vasco vom 18.2.2019

Brillante reencuentro con Gergiev en París

El Donostiarra y el coro y la Filarmónica de Múnich en el impresionante escenario de la Philharmonie en el concierto de ayer.
El público premia con más de 15 minutos de aplausos al Orfeón y la Filarmónica de Múnich | El excéntrico director ruso consigue en la Philharmonie una 'Octava' de Mahler llena de matices con el Donostiarra y el coro y orquesta alemanes

(...)

«Bravo, coro»
El resultado fue una octava totalmente distinta a la interpretada en la capital bávara; con un Gergiev prácticamente irreconocible sobre la escena, salvo por sus siempre extraños y enérgicos movimientos de muñeca y su característica batuta no más grande que un mondadientes, el director ruso obsequió a ambos coros con palabras de admiración y pidió en más de una ocasión menos volumen a la orquesta, para que el abarrotado auditorio no perdiera ni un sólo detalle. «Bravo coro, ése es exactamente el sonido que busco» o «Orquesta, no dejéis nunca de escuchar al coro» fueron algunos de los comentarios con los que el director recompensó la labor de los cantores.

(...)

El público ovacionó en especial a los coros y la orquesta, aplaudiendo sin cesar durante no menos de un cuarto de hora, y llevando en perfecto unísono los aplausos, algo típico en escenarios franceses. (...)


01./02./03.02.2019 - München Philharmonie/Gasteig

Wolfgang Amadeus Mozart: Missa in c-moll (in der vervollständigten Fassung von Benjamin Gunnar Cohrs)

Münchner Philharmoniker

Andrew Manze, Dirigent
Jacquelyn Wagner, Sopran
Julia Lezhneva, Sopran
Julian Prégardien, Tenor
Liang Li, Bass
Philharmonischer Chor München (Einstudierung: Andreas Herrmann)

Süddeutsche Zeitung, 4.2.2019
Kurzkritik
Hoch spannend - Philharmoniker spielen eine vervollständigte Mozart-Messe
Von Andreas Pernpeintner

Bei seinem Konzert mit den Münchner Philharmonikern im Gasteig zeigt Dirigent Andrew Manze beeindruckende Agilität. Sieht man ihm beim Dirigieren zu, wirkt Haydns Symphonie Nr. 104 in D-Dur deutlich beredter, als sie vom Orchester tatsächlich erklingt. Die Philharmoniker pflegen hier einen warmen, runden Klang. Sicherlich, der Kopfsatz kommt rasch in Fahrt, die Konturen aber bleiben nicht nur in der Adagio-Einleitung eher sanft. Auch das Andante und das Menuett wären prägnanter vorstellbar. Schön gelingt das melodisch hübsche Trio, bevor sich Manze mit seiner nachdrücklich vorgegebenen Präzision im Finale (Spiritoso) gut durchsetzt.

Hauptwerk des Abends ist jedoch Mozarts Große c-Moll-Messe KV 427. Dieses Riesenwerk, für das Mozart tief in den damals "alten Stil" von Bach und Händel eintauchte, blieb unvollendet. Die in diesem Konzert gespielte Vervollständigung hat 2013 der Musikforscher und Dirigent Benjamin-Gunnar Cohrs geschaffen: Unter Rückgriff auf authentisches Material aus der Kantate "Davide penitente" (die Mozart aus seinem c-Moll-Messfragment zusammensetzte), aus der "Maurerischen Trauermusik" und der c-Moll-Messe selbst hat Cohrs die fehlenden Teile ergänzt. Das gelingt mal sehr überzeugend (den Abschluss des Credos als Reprise seines Beginns zu konzipieren, wirkt formal schlüssig), mal stellt sich beim Hören Unsicherheit ein: Die "Trauermusik" will sich harmonisch und stilistisch nicht recht in die Messe einfinden; die Wiederkehr der musikalischen Initialzündung des Kyrie im Agnus Dei klingt etwas konstruiert. Dennoch sind diese Fassung und ihre Aufführung hoch spannend. Die Solisten (Jacquelyn Wagner, Julia Lezhneva, Julian Prégardien, Liang Li) wirken zwar nicht durchweg homogen zusammen, singen einzeln aber anmutig. Der Philharmonische Chor ist bei manchen leisen Themeneinsätzen etwas vorsichtig, insgesamt allerdings entwickelt er eine hervorragende Strahlkraft.

Münchner Merkur, 4.2.2019
Auferstehung aus zweiter Hand
Andrew Manze und die Münchner Philharmoniker mit Mozarts ergänzter c-Moll-Messe
Von Markus Thiel

(...) Das ambitionierte Programm ehrt die 
Philharmoniker. Manze rich
tet es sich nicht gemütlich in 
der Partitur ein. Der Grund
charakter ist vital, das Tempo
zügig, manches wie im Gloria 
zackt preußisch. anderes - 
etwa im "Qui tollis" mit wei
ten Chor-Phrasen über schrof
fen Orchestergesten - lebt 
vom Kontrast. Der Philharmonische Chor hat eine star
ke Stunde. Alles klingt klar, 
entschlackt, energiereich, 
ohne zu überreizen. (...)

AZ, 4.2.2019
Münchner Philharmoniker
Mozarts Messe c-moll mit Andrew Manze
von Michael Bastian Weiß
Andrew Manze dirigiert die Philharmoniker mit Chor: Die Messe c-moll von Mozart, rekonstruiert von Benjamin-Gunnar Cohrs

(...) In Mozarts Messe macht der Philharmonische Chor am meisten Eindruck, weil er die virtuosen Gesangsparts in der Philharmonie mühelos zum Klingen bringt. Chordirektor Andreas Herrmann hat nicht zuletzt mit schön intonierenden Männerstimmen makellose Ausgeglichenheit hergestellt. (...)


01./02.12.2018 - Bamberg / Konzerthalle (Joseph-Keilberth-Saal)
Edvard Grieg: Auszüge aus der Schauspielmusik zu »Peer Gynt«
Igor Strawinski: Divertimento aus »Le Baiser de la fée« (»Der Kuss der Fee«)
Niels Wilhelm Gade: »Erlkönigs Tochter«, Ballade nach dänischen Volkssagen für Soli, Chor und Orchester op. 30

Bamberger Symphoniker
Michael Schønwandt, Dirigent
Dénise Beck, Sopran
Marie Henriette Reinhold, Mezzosopran
Christian Elsner, Tenor
Philharmonischer Chor München (Einstudierung: Andreas Herrmann)

Fränkischer Tag, 5.12.2018
Ein gutes Orchester kann wirklich leise spielen
VON UNSEREM MITARBEITER THOMAS AHNERT

Bamberg - Man glaubte ja eigentlich, Edvard Griegs Schauspielmusik zu „Per Gynt“ in
 welcher Zusammenstellung
auch immer oft genug gehört zu
haben. Und dann kommt der
 Däne Michael Schonwandt und
 spielt mit den Bamberger Sym
phonikern eine eigene Zusammenstellung aus „The Best of“, 
und plötzlich hört man ungemein viele neue Aspekte.

Das war die eine Überraschung des Konzerts.
 Schonwandt ist nicht unbedingt
 der große Rhythmiker. Das kön
nen die Bamberger alleine. Sondern er hat ein ungemein gutes 
Gespür für Klangfarben und ih
re Wirkung. Er kann plastische
 Stimmungen erzeugen, und er 
kann zeigen, wie leise ein wirk
lich gutes Orchester spielen
 kann. Auf dieser Basis kann er
 auch einzelnen Tönen besonde
res Gewicht verleihen, etwa ei
ner einzelnen gestopften Trom
pete oder einer kleinen Streicherfigur oder dem Gesang der
 Flöte. Durch diese Tiefenschär
fe bekommt die Musik erzähle
rische Züge, und plötzlich merkt man, dass in ihr bei aller Mystik
auch eine ganze Menge Humor
 stecken kann, wenn man ihn findet. Natürlich reizt Schonwandt 
die dynamische Skala nicht nur
 am unteren Ende aus.

Bei dem Arabischen Tanz
 durfte es auch mal ziemlich derb 
zugehen, und „In der Halle des
 Bergkönigs“ ließen es die Trolle,
 einmal in Fahrt gekommen, der
art krachen, dass eine Steigerung 
nicht mehr möglich war.

-- Ein bisschen blutarm --

Aber immer wieder kehrte das
 Orchester in die Bereiche des 
Leisen zurück. „Solveigs Lied“,
 am Ende von der Sopranistin
 Denise Beck mit dunkel tim
brierter, in sich ruhender Stimme gesungen, war ein wunderbarer Abschluss.

Gegen diese Intensität fiel 
Igor Strawinskys „Der Kuss der
 Fee“ ein bisschen ab. Das Werk
 entstand 1927 als Auftrag der 
Tänzerin und Choreographin
 Ida Rubinstein zum Gedenken
 an Tschaikowskys 35. Todestag
 im folgenden Jahr. Als Ballett ist 
das viersätzige Werk sicher hervorragend geeignet. Aber als
 Konzertstück ist es für Strawinskys Verhältnisse ein bisschen 
blutarm. Man konnte sich nicht 
des Eindrucks erwehren, dass
 die Wiederbegegnung mit
 Tschaikowsky, von dessen Einfluss er sich in jungen Jahren 
ganz bewusst gelöst hatte, ihn 
etwas bremste - obwohl er ihn
 zitiert. Was absolut begeisternd war,
 war die Umsetzung dieser 
rhythmisch enorm komplizier
ten Musik. Aber die Bamberger 
scheinen gerade solche Heraus
forderungen besonders zu mö
gen. Wenn man bedenkt, dass sie 
dieses schwierige Werk fast auf 
den Tag genau vor 18 Jahren zu
letzt gespielt haben, konnte man
 von ihrem mitreißenden Zugriff
 nur begeistert sein.

Und dann kam etwas Außergewöhnliches: Niels Wilhelm
 Gades „Elverskud“ („Erlkönigs
Tochter“), eine Ballade nach dänischen Volkssagen für Soli,
 Chor und Orchester op. 30.
 Auch wenn dieses Werk nach sei
ner Uraufführung 1854 in Ko
penhagen sehr schnell rund um 
die Welt ging, gehört es heute zu 
den Raritäten auf den Pro
grammzetteln. Das liegt zum ei
nen sicher daran, dass man erst einmal einen Chor und drei So
listen finden muss, die diese Bal
lade drauf haben. Man muss aber auch sagen,
 dass Michael Schonwandt ein
 Team zur Verfügung hatte, das 
seinen Stimmungszauber wunderbar umsetzen konnte. Der
 Philharmonische Chor Mün
chen in der Einstudierung von 
Andreas Herrmann sang seinen 
Part des Erzählers, Kommenta
tors, Warners außerordentlich
 präsent und zupackend, mit großer Konturenschärfe und deutli
cher Artikulation.

-- Solisten völlig vergessen --

Und mit mancher Überraschung: Der Epilog war ein biss
chen hinterfotzig, besserwisse
risch gesungen nach dem Motto:
 Wir haben es ja schon immer ge
wusst - und das in einem geradezu gemütlichen Sechsachteltakt.

Eines war am Ende schade: 
Michael Schonwandt war so da
mit beschäftigt, den Chor und 
das Orchester zu feiern, dass er 
seine Solisten vergaß, die wie bestellt und nicht abgeholt etwas
 ratlos mitten in dem Geschehen 
standen. Sie hätten auch jede
 Menge Bravos verdient.


13./14.10.2018 - Philharmonie / Gasteig München
Festival zum 125. Geburtstag der Münchner Philharmoniker

Festkonzert
Igor Strawinsky: Psalmensymphonie
Gustav Mahler: Symphonie Nr. 8 ("Symphonie der Tausend")

Münchner Philharmoniker
Augsburger Domsingknaben
Orfeón Donistiarra
Philharmonischer Chor München
Dirigent: Valery Gergiev

Geburtstagsmatinee
BEDŘICH SMETANA
Ouvertüre zu »Die verkaufte Braut«
PAUL HINDEMITH
Symphonische Metamorphosen über Themen von Carl Maria von Weber
ANTON BRUCKNER
Symphonisches Präludium
GUSTAV MAHLER
2. Satz aus der Symphonie Nr. 2 c-Moll »Auferstehung«
RICHARD WAGNER
Vorspiel zum 1. Aufzug aus »Die Meistersinger von Nürnberg«
Münchner Philharmoniker
Dirigent: Valery Gergiev

Clytus Gottwald / Gustav Mahler:
a-cappella-Transkription des Adagiettos aus der 5. Symphonie von Gustav Mahler
"Wir sind durch Not und Freude gegangen Hand in Hand"

Philharmonischer Chor München, der Chor der Münchner Philharmoniker
Dirigent: Andreas Herrmann

Freundschaftskonzert
Arnold Schönberg: Verklärte Nacht
Peter Tschaikowsky: Jolanthe (konzertatnte Aufführung)
Orchester und Solisten des Mariinsky Theaters St. Petersburg
Philharmonischer Chor München
Einstudierung: Andreas Herrmann
Dirigent: Valery Gergiev

Süddeutsche Zeitung vom 15.10.2018
Klassik
Hand in Hand durch Not und Freude
Die Münchner Philharmoniker feiern ihren 125. Geburtstag, mit Valery Gergiev, Mahlers achter Symphonie, noch viel mehr Musik und einer großen Torte
Von Egbert Tholl

Treffen sich der Bayerische Kunstminister, der Intendant des Bayerischen Rundfunks und der Münchner Kulturreferent. Sagt der erste, mit dem Staatsorchester habe man das beste Orchester Europas. Sagt der zweite, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks sei das beste der Welt. Der Kulturreferent denkt kurz nach und meint dann, mit den Münchner Philharmonikern habe man das beste der Stadt. Und da nun alle drei Orchester in ein und derselben Stadt beheimatet sind, kann man sich denken, wie das gemeint ist.

Hans-Georg Küppers, der Münchner Kulturreferent, hat diese Begegnung vielleicht wirklich so erlebt, vielleicht hat er sie sich auch ausgedacht, auf jeden Fall nutzt er die Absenz der Münchner Bürgermeister - Last-minute-Wahlkampf oder durch diesen bedingte Erschöpfung? - für eine launige Rede. Die Münchner Philharmoniker feiern Geburtstag, 125 Jahre, und sie sind seit 1902 ein städtisches Orchester, weil ihr Gründer, Franz Kaim, die Idee von Konzerten für alle verfolgte, die Eintrittspreise entsprechend niedrig waren und das nicht lange gut ging ohne Unterstützung. Auch so eine Geschichte, die gut zur aufgekratzten Stimmung des Abends passt und eine Reihe von Bekenntnissen einläutet, vor dem Konzert und danach. Hans-Georg Küppers: "Wir als Stadt werden alles dafür tun, dass das Orchester auf internationalem Niveau bleiben kann." Intendant Paul Müller lobt das Engagement der Stadt, Valery Gergiev auch, empfindet das Orchester als "well protected".

Das alles kann man erzählen, weil es beim Geburtstagskonzert am Samstag ein wenig dauert, bis Gergiev die Bühne betritt - er musste noch schnell mit seiner Mutter telefonieren. Das bringt ihn aber keineswegs aus dem Konzept, und er dirigiert Strawinskys "Psalmensymphonie" mit der größten Inbrunst, die man dem Werk abgewinnen kann. Am Ende entschweben der Philharmonische Chor und das Orchester in lichteste Schönheit, dann ist Pause.

Nach der das Ereignis, Mahlers Achte, uraufgeführt am 12. September 1910 in der Neuen Musik-Festhalle an der Theresienwiese, von den Philharmonikern und insgesamt eintausend Mitwirkenden. So viele sind es nun nicht, aber immerhin drei Chöre: Neben dem Philharmonischen singen die Augsburger Domsingknaben und die Chorgemeinschaft Orféon Donostiarra aus San Sebastian. Dazu kommen acht Gesangssolisten, darunter der im Laufe der Aufführung immer feiner werdende Stephen Gould, der profunde Bass Evgeny Nikitins und zwei poetische Sopranistinnen, Viktoria Yastrebova und Jacquelyn Wagner. Zumindest sind sie dann poetisch, wenn Mahler und Gergiev dies zulassen, was bei der hier herrschenden Lautstärke (inklusive Orgel) nicht immer gegeben ist.

Man braucht die vielen Solisten, den prägnanten Bariton Boaz Daniel, die wunderschöne Stimme aus der Höhe von Regula Mühlemann, man braucht die Altistinnen Wiebke Lehmkuhl und Gerhild Romberger, weil Mahler in seiner Symphonie einen lateinischen Hymnus und die Schlussszene aus Goethes "Faust", zweiter Teil, vertont. Gerade letzteres ist ein völlig eskapistisches Unterfangen, das an diesem Abend mitunter gehörig rumpelt, aber doch immer aufregender wird. Ähnlich wie zuvor beim Strawinsky kostet Gergiev die Wirkmächtigkeit der Musik aus und steuert, auf Um- und Abwegen zwar, aber letztlich zielstrebig, auf ein umwerfendes Ende in "höhern Sphären" zu. Danach gibt es eine Art Liebeserklärung von Orchestervorstand Matthias Ambrosius an den Chef und eine Riesentorte von den Freunden und Förderern der Philharmoniker.

13 Stunden später sind Gergiev und die Musiker wieder da und geben, herrlich geistreich moderiert von Maximilian Maier, eine Geburtstagsmatinee mit geschichtsträchtigen Stücken. Die Ouvertüre von Smetanas Oper "Die verkaufte Braut" spielten die Philharmoniker bei ihrem ersten Konzert überhaupt, am 13. Oktober 1893. Das war allerdings in Augsburg, erst am Tag danach in München, und vielleicht hörte sich das damals, bedingt durch die Nebenwirkungen der Feierlichkeiten, ähnliche hoppelig an wie heute. Hindemiths "Symphonische Metamorphosen", für die Sergiu Celibidache einst eigene Glocken anfertigen ließ, bestechen danach mit eigenwilligem Humor, Bruckners "Symphonisches Präludium" mit zarter Verträumtheit. Das posthum entdeckte Stück wurde auch schon mal Gustav Mahler zugeschrieben, nicht völlig abwegig, bis sich ein klassisches Bruckner-Crescendo Bahn bricht.

Wagners "Meistersinger"-Ouvertüre breitet sich sämig in der Philharmonie aus, und Mahler selbst gibt es auch, den zweiten Satz aus der zweiten Symphonie, und als Ständchen vom Chor das Adagietto aus der Fünften, das Clytus Gottwald mit Eichendorffs "Abendrot" in ein A-capella-Stück verwandelte: "Wir sind durch Not und Freude, gegangen Hand in Hand."

Süddeutsche Zeitung vom 16.10.2018
Konzert
Vollends verblüffend - Das Mariinsky Orchester mit "Iolanta" und Münchner Hilfe
Von Egbert Tholl

Zum Abschluss des Geburtstagswochenendes erhalten die Münchner Philharmoniker ein grandioses Geschenk: Das Mariinsky Orchester spielt Tschaikowskys Oper "Iolanta". Vor allem aber hat Valery Gergiev zehn Solisten von diesem seinem Opernhaus mitgebracht, und die machen das Erstaunlichste, was man vielleicht je an konzertanter Oper in der Philharmonie erlebt hat. Da das Ganze ein "Freundschaftskonzert" ist, wirkt der Philharmonische Chor mit. Und zuvor spielt das Streichorchester des Mariinsky Schönbergs "Verklärte Nacht", stehend, wach, konzentriert. Und wer steht da am ersten Pult? Lorenz Nasturica-Herschcowici, Konzertmeister bei den Münchner Philharmonikern, aber oft auch in Gergievs Sphären in Russland tätig, wie erst jüngst, als Gergiev unter Putins Anwesenheit den neuen Saal in Moskau eröffnete. Also eben "Freundschaftskonzert".

Ist schon beim Schönberg das organische Zusammenwirken der Musiker mit Gergiev bemerkenswert, so ist es dann bei der Oper vollends verblüffend. Das Orchester spielt wie ein einziges, vielgestaltiges, vielklingendes Instrument. "Iolanta" ist eine Märchenoper, ein Poem, kaum dramatisch, aber wunderschön. Es gibt einen milden Konflikt und ein glückliches Ende: Iolanta ist blind, ihr Vater, König Rene, schottet sie in einem Zaubergarten von der Außenwelt ab. Sie soll nicht wissen, dass sie nichts sieht, doch meint Ebn-Chakia, ein Arzt aus dem Morgenland, die Kenntnis über ihre Situation wäre der erste Schritt zur Heilung. Das klappt, weil der Ritter Vaudémont mit seinem Freund Robert, ursprünglich der Verlobte Iolantas, ins Paradies hereinschneit, Iolanta in Unkenntnis des Schweigeverbots die Wahrheit erzählt, sie daraufhin sehend wird und er sie heiratet. Alle sind froh, und Robert ist frei für seine neue, schwarzäugige Geliebte Mathilde.

Zu Beginn treten Iolanta (Irina Churilova) und ihre Damen auf, ein zwitscherndes Vergnügen, dann folgt Bertrand, der Pförtner des Schlosses. Eine kleine Partie, die man normalerweise entsprechend besetzen würde. Hier klingt Yuri Vorobiev, als brächte er seine eigene Klangkathedrale mit. Das ist völlig verblüffend, und man hat nicht nur bei ihm, nein bei allen Solisten das Gefühl, man verstünde Russisch, obwohl das überhaupt nicht der Fall ist, einfach deshalb, weil alle Sängerinnen und Sänger so präsent sind, als wäre die Philharmonie ein Opernhaus. Und sie singen ausnahmslos wunderschön.

Valery Gergiev ist einfach immer gut für Überraschungen. Bei den vorangegangenen Konzerten an diesem Wochenende gab es durchaus noch Raum für Feinjustierungen. Dann aber stellt er diese Aufführung hin. Er ist ein positiv Musikverrückter. In dieser Hinsicht hat er auch in München viele philharmonische Mitstreiter, die kammermusikalisch den ganzen Sonntag bespielten.

dpa-Meldung vom 15.5. (und so in zahlreichen Medien veröffentlicht - zN nmz, KIZ-Nachrichten, RTL online, ORF, musik-heute u.a.)
Münchner Philharmoniker geben umjubeltes Jubiläumskonzert

15.10.18 - München - Die Münchner Philharmoniker haben mit einer umjubelten Aufführung von Gustav Mahlers 8. Symphonie in Es-Dur mit dem Beinamen «Symphonie der Tausend» ihr 125-jähriges Bestehen gefeiert. Fast zehn Minuten lang wurden die etwa 300 Mitwirkenden des Riesenwerkes am Samstagabend in der Münchner Philharmonie gefeiert. Am Pult stand Waleri Gergijew, seit 2015 Chefdirigent der Philharmoniker.

Mahlers 8. Symphonie war 1910 unter Leitung des Komponisten von dem Orchester in München uraufgeführt worden. Damals dauerte der Applaus allerdings mehr als eine halbe Stunde.

Der Münchner Kulturreferent Hans-Georg Küppers würdigte die Münchner Philharmoniker in einer launigen Ansprache als «bestes Orchester der Stadt» und versicherte, die Stadt München werde alles tun, um das internationale Niveau des Klangkörpers zu sichern.

Die Jubiläums-Aufführung bestritten neben den Philharmonikern in Großbesetzung der Philharmonische Chor München, der spanische Chor Orfeón Donostiarra aus San Sebastian, die Augsburger Domsingknaben sowie ein achtköpfiges Solistenensemble, darunter der russische Bass Evgeny Nikitin sowie der US-Heldentenor Stephen Gould. Beide sind häufige Gäste der Bayreuther Festspiele.

Die Geburtstagsfeierlichkeiten werden am Sonntag unter anderem mit einem Konzert fortgesetzt, bei dem Werke erklingen, die in der Geschichte des Orchesters von besonderer Bedeutung waren. Die Philharmoniker wurden im Jahre 1893 gegründet und zählen heute zu den bedeutendsten Klangkörpern Deutschlands.

bachtrack.com vom 14.10.2018
Ein Festkonzert zu Ehren 125 Jahre Münchner Philharmoniker
Von David Renke

(...) Die Verwendung der lateinischen Psalmentexte war für Strawinsky nicht primär mit einem religiösen Statement in westlicher Kirchentradition verbunden, vielmehr ermöglichte ihm das Latein, den Text unmittelbar in die Musik einzubinden und jegliche Ausdeutung dem Zweck der Klangmalerei unterzuordnen. Diese gestrenge Form und rhythmische Prägnanz machte sich der Philharmonische Chor zu eigen, verzichtete auf jegliche Emotion und gestaltete gerade deshalb eine höchst eindrucksvolle Interpretation. So geschlossen düster und spannungsgeladen hörte man die hymnischen „Alleluia“-Rufe selten. (...) Auch am heutigen Abend klangen die Philharmoniker dunkel und voll. Detailreich gestaltete Gergiev die instrumentalen Passagen der Symphonie, die er in teilweise kammermusikalischer Feinheit den monumentalen Chorsequenzen entgegensetzte.(...)

Klassikinfo 14.10.2018
Zum 125. Geburtstag der Münchner Philharmoniker: Gergiev dirigiert Mahlers Achte
Kunstbeschwörung

Valery Gergiev dirigiert zum 125. Geburtstag der Münchner Philharmoniker Mahlers Achte und Strawinskys Psalmensinfonie
Von Robert Jungwirth

(...) In jedem Fall ist es in höchstem Maße unbescheiden in seinen Dimensionen und Ambitionen, und man muss das sicher nicht in allem goutieren. Dennoch ist der Kunstwille, der ungeheure Schaffensakt beeindruckend. Mahler wollte einen Hymnus an die Kraft der Schöpfung komponieren, die jedem Menschen – als Teil dieser Schöpfung – innewohnt. Das ist die positive – und so gesehen -antiimperialistische Aussage des Werks. Und Gergiev, die Münchner Philharmoniker, der Philharmonische Chor München, der spanische Chor Orfeon Donostiarra, die Augsburger Domsingknaben sowie die Gesangssolisten Viktoria Yastrebova, Jacquelyn Wagner, Regula Mühlemann, Wiebke Lehmkuhl, Gerhild Romberger, der Bayreuther Tristan Stephen Gould, Boaz Daniel und Evgeny Nikitin sorgten allesamt für eine rundum gelungene und hochengagierte Einlösung dieser Kunstbeschwörung. (...)