Saison 2001/2002

01., 02., 04.11.2001 | Philharmonie im Gasteig
Dmitri Schostakowitsch | Symphonie Nr. XIII
Dirigent: Pinchas Steinberg

Münchner Merkur vom 06. 11. 2001: Kultur – Musik
Die Schrecken des Krieges
Pinchas Steinberg bei Münchens Philharmonikern
Von Karl Robert Brachtel
(...) Szymanowski wurde auf ukrainischem Boden geboren, die Schlucht Babij Jar liegt in der Ukraine. Zwei Sätze aus der Schostakowitsch-Symphonie beziehen sich auf den Tod Tausender Juden in dieser Schlucht im Zweiten Weltkrieg. Fünf Gedichte von Jewgenij Jewtuschenko hat der Komponist als sein Opus 113 vertont und zu einer Vokalsymphonie zusammengefasst, die diese Bezeichnung wirklich verdient: Solobass (kraftvoll, mächtig mit Sergej Alexashkin besetzt) und Bass-Chor, besonders eindringlich in seiner Einstimmigkeit (Philharmonischer Chor und Madrigalchor der Hochschule), sind in ein reiches symphonisches Geschehen eingebettet.
Schostakowitsch schildert sinnfällig die Schrecken des Krieges, den tristen Alltag der Frauen, inspiriert von einer erstaunlich kritischen Dichtung, die 1962 bei der Uraufführung entschärft werden musste. Höhepunkte: der höllische Tanz im zweiten Satz, das unheimliche Tubasolo zum tonlos flüsternden Chor im vierten, die Satire des fünften Satzes mit seinem versöhnlichen Dur-Schluss. Steinberg leitete die in allen Sektionen sehr präsenten Philharmoniker gestenreich und engagiert.


25., 26., 27.11.2001 | Philharmonie im Gasteig
Felix Mendelssohn Bartholdy | Elias
Dirigent: Raffael Frühbeck de Burgos

Münchner Merkur vom 27. 11. 2001: Kultur – Musik
Der Chor behielt die Nerven
»Elias« mit Frühbeck de Burgos
Von Markus Thiel
Was 40-tägiger Frust in der Einöde alles ausmachen kann: Just als der Prophet in der Wüste weilte, da bekam die Aufführung doch noch Format. Dabei ist Mendelssohn Bartholdys »Elias« wahrlich dankbare Musik, die mit Theatralik, gelegentlichem Bombast und Gefühligkeit das Herz des Hörers wärmt. Und Rafael Frühbeck de Burgos, der im Gasteig Münchens Philharmoniker dirigierte, gelangen vor der Pause auch ein paar starke Momente, meist in den ruhigen Passagen. »Und tue Barmherzigkeit«, »Wohl dem«: Chöre, in denen die Musik ganz zu sich kam, in stiller Größe ruhte.
(...) Bewundernswert der Philharmonische Chor (Einstudierung: Andreas Herrmann), (...) Sattes Pathos, Intonationssauberkeit und Textverständnis (...)
(...) die Zuspitzungen des zweiten Teils. Die Himmelfahrt des Propheten oder die Vision des kommenden Messias (»Aber einer erwacht von Mitternacht«): Überzeugende, gehaltvolle Textauslegung wurde hier in musikalische Dramatik umgesetzt. (...)


30., 31.12.2001 | Herkulessaal
Ludwig van Beethoven | IX. Symphonie
Dirigent: Heiko Mathias Förster

Münchner Merkur vom 02. 01. 2002: Kultur – Musik
Techtelmechtel mit Konkurrenz
Förster dirigierte Beethovens Neunte
Von Markus Thiel
Zum Seitensprung gezwungen: Keine üble Situation, in die sich Münchens Philharmonischer Chor manövriert sah. Seit Menschengedenken pflegt er sich zu Silvester mit seinen Philharmonikern in Beethovens Freudentaumel zu werfen. Doch da hier die Verantwortlichen neuerdings beim Stichwort »Neunte« das Näschen rümpfen und gar wichtige Alternativen zum Jahreswechsel ersinnen, bleibt eben nur das Techtelmechtel mit der Konkurrenz. Kein übler Tausch. Den dort, bei den Münchner Symphonikern im Herkulessaal, befehligte Heiko Mathias Förster. Und dem stand nicht der Sinn nach Jubel-Routine, der verlangte von seinem wackeren Orchester Höchstleistungen.
(...) Jubel vor allem für den Philharmonischen Chor, der auf imponierende Weise Textverständlichkeit mit Durchschlagskraft und Klangkultur verband – Untreue beflügelt eben.


20., 21., 22.01.2002 | Philharmonie im Gasteig
Franz Schmidt | Das Buch mit sieben Siegeln
Dirigent: Fabio Luisi

Münchner Merkur vom 23. 01. 2002: Kultur – Bühnen
Keine Angst vor starken Klängen
Fabio Luisi und die Philharmoniker
Von Gabriele Luster
Nur selten trauen sich Dirigenten heutzutage (außerhalb Österreichs), das »Buch mit den sieben Siegeln« aufzuschlagen. (...) Fabio Luisi – gerade erst gefeiert als Sieger in der Staatsopernpremiere von Puccinis »Manon Lescaut« – fürchtet sich nicht vor der Klangschlacht, sondern dirigiert sie ebenso sicher wie temperamentvoll. Da kletterten im Münchner Gasteig in den geballten Attacken von Chor und Orchester die Dezibelzahlen zwar auch in gefährdende Höhen, dennoch imponierte die durchwegs geschlossene (...) Aufführung.
(...) Für Orchester, Chor und Tenor jedenfalls liefert »Das Buch mit den sieben Siegeln« reichlich Imponiermöglichkeiten. Luisi ließ die rhythmischen Zügel nicht schleifen und entfesselte die ganze Theatralik dieser verhinderten Oper (basierend auf der Geheimen Offenbarung des Johannes).
Dass Franz Schmidt sein Handwerk verstand, beweisen nicht nur der vielschichtige Orchestersatz mit schwerem Streicherpathos, markantem Orgeleinsatz (Michael Schönheit), farbiger Holzbläser-Kulisse, sondern vor allem auch die ausladenden Chorpartien, die mächtige Fuge am Ende des ersten Teils. Der philharmonische Chor erfüllte seine anspruchsvolle Aufgabe präzis und klangvoll.
(...) Das Publikum ließ sich von den effektvoll vertonten Schreckens- und Heilsvisionen des Evangelisten fesseln und applaudierte heftig.

tz München vom 22. 01. 2002: Kultur
Die satte Offenbarung des Johannes
Von Barbara Eichner
(...) Überragend der glänzend vorbereitete Philharmonische Chor, der sicher durch die vertrackten Chorfugen fand und – besonders a cappella – auch leise, anrührende Töne anschlug.

Bayerische Staatszeitung vom 25. 01. 2002
Effektvoll trotz Rückfall in Konventionalität
Münchner Philharmoniker und Franz Schmidts monumentales Oratorium »Das Buch mit sieben Siegeln«
Von Martin Köhl
Franz Schmidts groß angelegtes Oratorium zur Offenbarung des Johannes ist nach Louis Spohrs »Die letzten Dinge« und vor jüngeren Kompositionen sozusagen zum Standardwerk musikalischer Verarbeitung der Apokalypse geworden.
(...) sorgt die dramaturgisch geschickt geführte Person des Erzählers Johannes für einen spannungsvollen Verlauf des eher knappen, jedenfalls nicht weitschweifigen Oratoriums. Vor allem, wenn die Rolle so heldentenörig souverän ausgefüllt wird wie von Keith Lewis. Die »Stimme des Herrn« zeitigte in der Interpretation des Wagner-Bassisten Jan-Hendrik Rootering große Momente. Trotz geringeren Aufgabenumfangs ließ sich nicht überhören, dass auch die beiden Frauenpartien mit Susan Anthony (Sopran) und Doris Soffel (Mezzosopran) sowie die zweite Tenorstimme (Michael Roider) exzellent besetzt waren. Dass man dies stets vom verlässlich präparierten, stimmlich klar und transparent klingenden Philharmoniker-Chor sagen kann, versteht sich von selbst (Einstudierung: Andreas Herrmann). Die teilweise schwierigen organalen Aufgaben erledigte Michael Schönheit am großen Gasteig-Instrument mit Bravour.
Fabio Luisi erwies sich einmal mehr als sensibler Klangmoderator, der gleichwohl markant zu konturieren versteht und Präzision als hohe Tugend handelt. (...) Dass es sich trotz der erwähnten Einschränkungen lohnt, das Buch mit sieben Siegeln von Zeit zu Zeit einzustudieren, bestätigten die Aufführungen im Gasteig auf eindrucksvolle Weise, zumal auf der Basis einer exquisiten Orchesterleistung.


30.01.2002 | Herkulessaal
02.02.2002 | Prinzregententheater
Ludwig van Beethoven | IX. Sinfonie
Dirigent: Heiko Mathias Förster

Süddeutsche Zeitung vom 01. 02. 2002: Münchner Kultur
Münchner Symphoniker
Zeigt Größe
Von Johannes Rubner
(...) Wir glauben, das Stück zu kennen und erwarten Perfektion im Konzert: Die Musik ist uns eine Aufgabe geworden, ein Problem.
Dieses zu lösen, hatten die Münchner Symphoniker unter ihrem Chefdirigenten Heiko Mathias Förster die besten Voraussetzungen. Das Orchester war konzentriert bei der Sache, gab sich kaum Blößen. (...) Die Hauptschwierigkeit – auch für die Solisten – aber war, einen durchgehenden Plan zu entwickeln; oder eine Atmosphäre zu schaffen, die herausführt aus dem Repertoire-Dilemma, die nicht nur Konventionen bedient. Das leistete schließlich, souverän, der Philharmonische Chor München, mit mächtigen, gewaltigen Klangmauern, mit einer präzise gearbeiteten Darstellung von Größe und Selbstsicherheit. Heftiger Beifall.


07., 08., 10.06.2002 | Philharmonie im Gasteig
Wolfgang Amadeus Mozart | Idomeneo
Dirigent: James Levine

Abendzeitung München vom 10. 06. 2002: Kultur
Klang-Fett statt Feuer für die Fantasie
Lust am Massiven: Mozarts »Idomeneo« konzertant mit James Levine im Gasteig
Von Rüdiger Schwarz
Oper konzertant? (...) Lyrische Ansätze versanken hoffnungslos im Orchesterdickicht. Die Wutausbrüche der Elettra (Alexandra Deshorties als Einspringerin für Barbara Frittoli) kamen nur zögerlich über die Rampe, David Kuebler schien seinen Idomeneo aufs Altenteil verweisen zu wollen. Mit Susanne Mentzer (Idamante) und Heidi Grant-Murphy gab es wenigstens ein stimmlich präsentes Königskinderpaar, den vokalen Rang aber lief allen der bestens präparierte Philharmonische Chor ab. (...)