Saison 2018/2019

IGOR STRAWINSKY
"Symphonie de psaumes" (Psalmensymphonie)
Pause

GUSTAV MAHLER
Symphonie Nr. 8 Es-Dur "Symphonie der Tausend"


VALERY GERGIEV, Dirigent
VIKTORIA YASTREBOVA, Sopran
JACQUELYN WAGNER, Sopran
REGULA MÜHLEMANN, Sopran
WIEBKE LEHMKUHL, Alt
GERHILD ROMBERGER, Alt
STEPHEN GOULD, Tenor
BOAZ DANIEL, Bariton
EVGENY NIKITIN, Bass
PHILHARMONISCHER CHOR MÜNCHEN, Einstudierung: Andreas Herrmann
ORFEÓN DONOSTIARRA, Einstudierung: José Antonio Sainz Alfaro
AUGSBURGER DOMSINGKNABEN, Einstudierung: Reinhard Kammler
JOHANNES BERGER, Orgel

Das große Festkonzert am Samstag, 13. Oktober 2018, huldigt einem der bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte der Münchner Philharmoniker: der Uraufführung der 8. Symphonie, der »Symphonie der Tausend«, unter der Leitung des Komponisten Gustav Mahler selbst.

Konzertdauer: ca. 2 1/2 Stunden – Live-Übertragung auf BR KLASSIK

"Symphonie de psaumes" (Psalmensymphonie)

Die "Symphonie des psaumes" (Psalmensymphonie) entstand 1930 als Auftragskomposition zum 50-jährigen Bestehen des Boston Symphony Orchestra. Auf Anraten seines Verlegers, er solle etwas populäres komponieren, entschied sich Strawinsky für den Psalm 150 als Basis seiner Symphonie. Psalme seien Gedichte des Jubels, aber auch des Zorns und des Gerichts, ja sogar des Fluchs und deswegen äußerst populär und bewundert von allen. Strawinsky vertont die Psalme im Lateinischen, da sich in dieser Sprache die Religiosität am besten vermitteln ließe. Die drei Sätze sind nicht in strenger Sonatensatzform komponiert, sondern thematisch miteinander verbunden. So basieren die beiden ersten Sätze auf den Psalmen 38 und 40 und der dritte und längste Satz endet schließlich mit dem "Laudate Dominum" des Psalms 150. Die "Symphonie des psaumes" zählt nach wie vor zu den beliebtesten und beeindruckendsten Werken Strawinskys.

Symphonie Nr. 8 Es-Dur "Symphonie der Tausend"

Es war ein Marketing-Coup des Konzertveranstalters, Mahlers achte Symphonie als die Symphonie der Tausend zu bewerben. Mahler hingegen wehrte sich in Anspielung auf den amerikanischen Großzirkus gegen eine Barnum-and-Bailey-Aufführung. Von der inneren Größe seines Symphonie-Neulings war er allerdings überzeugt und sprach immer wieder von seinem Hauptwerk. In den beiden textlich wie kompositorisch stark divergierenden Teilen der Symphonie verbindet Mahler mit der Vertonung des altkirchlichen Pfingsthymnus Veni, creator spiritus und der Schlussszene von Goethes Faust II zwei Weltbilder zu einem Synkretismus und schafft ein klingendes Universum. Ein Gleichnis der Welt in Tönen.


Geburtstags-Matinee der Münchner Philharmoniker


Am Sonntag, 14. Oktober 2018, gibt sich das Orchester selbst ein Ständchen. Bei der Geburtstags-Matinee stehen Werke auf dem Programm, die geschichtlich besondere Bezüge aufweisen: Smetanas Ouvertüre zu »Die verkaufte Braut« eröffnete das allererste Konzert des »Kaim-Orchesters«. Paul Hindemith war dem Orchester eng verbunden, die Münchner Philharmoniker bestritten gar die europäische Erstaufführung seiner »Symphonischen Metamorphosen«. Sergiu Celibidache ließ eigens für dieses Werk speziell klingende Glocken anfertigen, die sich nach wie vor in Besitz des Orchesters befinden. Eine ebenfalls enge Bindung gab es bereits zu Lebzeiten Anton Bruckners mit den Münchner Philharmonikern. Sie spielten posthum, im Jahr 1947, auch die Weltpremiere seines »Symphonischen Präludiums«, eine Kopie der handschriftlichen Partitur und alle Orchesterstimmen sind ausschließlich im Notenarchiv der Münchner Philharmoniker zu finden. Valery Gergiev wird aus dieser historischen Partitur dirigieren.

Valery Gergiev wählte die 2. Symphonie von Gustav Mahler für sein Antrittskonzert im September 2015. Das »Andante« daraus stand u. a. auf dem Programm des ersten Gastspiels überhaupt des Orchesters 1898 im Wiener Musikverein – der Beginn einer langjährigen Verbundenheit mit dem Komponisten. Das letzte Werk der Geburtstags-Matinee, das Vorspiel zum 1. Aufzug der »Meistersinger von Nürnberg«, stand wiederum auf dem Programm, als Gustav Mahler 1897 zum ersten Mal das »Kaim-Orchester« dirigierte und beim ersten Konzert in Wien.

Konzertdauer: ca. 1 1/2 Stunden – keine Pause

BEDŘICH SMETANA
"Die verkaufte Braut", Ouvertüre
PAUL HINDEMITH
Symphonische Metamorphosen über Themen von Carl Maria von Weber
ANTON BRUCKNER
Symphonisches Präludium
GUSTAV MAHLER
2. Satz aus der Symphonie Nr. 2 c-Moll "Auferstehung"
RICHARD WAGNER
"Die Meistersinger von Nürnberg": Vorspiel zum 1. Aufzug

MÜNCHNER PHILHARMONIKER
VALERY GERGIEV, Dirigent

GUSTAV MAHLER / CLYTUS GOTTWALD
Adagietto aus der 5. Symphonie - Bearbeitung für 16-stimmigen Chor a cappella

PHILHARMONISCHER CHOR MÜNCHEN
ANDREAS HERRMANN, Dirigent

MAXIMILIAN MAIER, Moderation

Als Geburttagsständchen und Liebeserklärung an die Münchner Philharmoniker singt der Philharmonische Chor München unter dem Dirigat seines Chordirektors Andreas Herrmann am Ende des Konzertes die sechzehnstimmige A-cappella-Bearbeitung des Adagiettos aus Gustav Mahlers 5. Symphonie von Clytus Gottwald mit dem Text des Eichendorff-Gedichtes "Wir sind durch Not und Freude gegangen Hand in Hand ..."


Freundschafts-Konzert der Münchner Philharmoniker

Unter die Gratulanten wird sich kein Geringerer einreihen als das Mariinsky Orchester, das die einaktige Oper »Iolanta« von Peter I. Tschaikowsky als Geburtstagspräsent überreichen wird. Es war die letzte Opernkomposition Tschaikowskys, die im Dezember 1892 im Mariinsky Theater St. Petersburg uraufgeführt wurde und 1893 im Todesjahr Tschaikowskys unter der Leitung von Gustav Mahler in Hamburg ihre deutsche Erstaufführung erlebte. Liebe mit Hindernissen ist Thema in »Iolanta«, in der die blinde Prinzessin erst ihr Augenlicht erhält und ihre große Liebe findet. Liebe mit Hindernissen ist auch Thema eines Gedichts von Richard Dehmel, das Arnold Schönberg zu seiner »Verklärten Nacht« inspirierte.

Konzertdauer: ca. 2 1/2 Stunden

ARNOLD SCHÖNBERG
"Verklärte Nacht" op. 4 in der Fassung für Streichorchester
Pause
PETER I. TSCHAIKOWSKY
»Iolanta«, Lyrische Oper in einem Akt, konzertante Aufführung


IRINA CHURILOVA, Iolanta
STANISLAV TROFIMOV, René
ALEXEI MARKOV, Robert
NAJMIDDIN MAVLYANOV, Vaudémont
ROMAN BURDENKO, Ibn-Hakia
ANDREI POPOV, Almeric
YURI VOROBIEV, Bertrand
KIRA LOGINOVA, Brigitta
YEKATERINA SERGEYEVA, Laura
NATALIA YEVSTAFIEVA, Martha

MARINA MISHUK, Einstudierung
PHILHARMONISCHER CHOR MÜNCHEN, Einstudierung: Andreas Herrmann
MARIINSKY ORCHESTER
VALERY GERGIEV, Dirigent


Michael Schønwandt dirigiert Grieg, Strawinski und Gade
Samstag, 1.12.2018, 20 Uhr
Sonntag, 2.12.2018, 17 Uhr
Bamberg, Konzerthalle, Joseph-Keilberth-Saal

Edvard Grieg:
Auszüge aus der Schauspielmusik zu »Peer Gynt«

Igor Strawinski:
Divertimento aus »Le Baiser de la fée« (»Der Kuss der Fee«)

Niels Wilhelm Gade:
»Erlkönigs Tochter«, Ballade nach dänischen Volkssagen für Soli, Chor und Orchester op. 30

Bamberger Symphoniker
Michael Schønwandt Dirigent

Dénise Beck Sopran
Marie Henriette Reinhold Mezzosopran
Christian Elsner Tenor

Philharmonischer Chor München
Einstudierung: Andreas Herrmann

Die Werke dieser Konzerte quellen geradezu über, wenn es um Bilder geht, die ganz konkret hörbar werden: Wir tauchen ein in die nordische Sagenwelt, die geprägt ist von Geschichten aus längst vergessenen Zeiten, Gedichten und Balladen sowie mythischen Figuren. Der Norweger Edvard Grieg liebte das Land der Fjorde. Oft arbeitete er in efeuumrankten Hütten wie seinem einsamen Sommerhaus »Troldhaugen« (»Hügel der Trolle«). Die Musik zu »Peer Gynt« ist sein Meisterwerk. Henrik Ibsen schrieb das dramatische Gedicht auf Vorlage norwegischer Märchen: Es ist die Geschichte eines Träumers, der sich mit fantastischen Lügengeschichten an der Realität vorbeimogelt und erst spät erkennt, dass nur die Liebe ihn retten kann. Grieg erzählt mit musikalischen Bildern von wild-romantischer Fantastik diesen Weg des »Faust des Nordens«. Strawinskis Werk hingegen liegt die Erzählung von der Eisjungfrau des Dänen Hans Christian Andersen zugrunde: Eine Fee gibt einem Knaben einen Kuss, mit dem sie ihn zu ihrem späteren Bräutigam bestimmt. Die märchenhafte Vorlage verwandelte Strawinski zu einem wohlklingenden Werk mit eingestreuten Tschaikowski-Melodien. Niels Wilhelm Gade schuf seine ebenso berührende Ballade nach dänischen Volkssagen: Es geht um die Tochter des Erlkönigs und ihren betörenden und zugleich tödlichen Elfenzauber. Im Mondschein bezirzt sie den jungen Oluf, der am Abend vor seiner Hochzeit von Sehnsucht getrieben auf die Erlenhöhe reitet – und damit auch in sein Verderben. Mit verschwimmenden Klängen neben schillernden Farben, mit volksliedhaften Melodien und meisterhafter Instrumentation hauchte Gade der Geschichte Leben ein. Am Dirigentenpult begrüßen wir einen Experten des skandinavischen Nationalkolorits: Der Däne Michael Schønwandt wird uns durch diese wunderbar romantischen Erzählwelten leiten.


Sonntag, 30_12_2018 11 Uhr
Montag, 31_12_2018 17 Uhr

LUDWIG VAN BEETHOVEN
Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125


FABIO LUISI, Dirigent
ELSA DREISIG, Sopran
EKATERINA GUBANOVA, Mezzosopran
BURKHARD FRITZ, Tenor
MICHAEL VOLLE, Bass

MÜNCHNER PHILHARMONIKER
FABIO LUISI, Dirigent

PHILHARMONISCHER CHOR MÜNCHEN
Einstudierung: Andreas Herrmann

Mit ihrer humanitären Botschaft "alle Menschen werden Brüder" aus Schillers "Ode an die Freude" ist Beethovens zwischen 1822 und 1824 entstandene 9. Symphonie ein Werk, das besonders häufig bei repräsentativen und öffentlichen Anlässen wie Staatsfeierlichkeiten oder auch zur Feier des Jahreswechsels aufgeführt wird. Doch hinter der populären Eingängigkeit, die das simple, diatonische Freudenmotiv des letzten Satzes vermittelt, steht ein äußerst komplexes Kunstwerk, um dessen Gestalt Beethoven lange gerungen hat. So entstand die 9. Symphonie nicht aus einem Guss, sondern setzte sich aus mehreren Projekten zusammen: bereits 1812 existierten Pläne zu einer d-Moll-Symphonie sowie einer Vertonung von Schillers Ode, ab 1815 erwog Beethoven eine h-Moll-Symphonie und ab 1817/18 sind erste Überlegungen zum Einbezug eines Chores in eine Symphonie belegbar. Dieser Einbezug des vokalen Elements wirkte sich auf die Gesamtkonzeption der Symphonie aus: Das Problem der Anbindung des vokalen Schlusssatzes löste Beethoven schließlich durch mannigfaltige motivische Rückbezüge auf die vorangegangenen Sätze und ein Rezitativ, das die Bedeutung von Schillers Ode explizit vergegenwärtigt. Das Neue an dieser Symphonie, die das kompositorische Schaffen von Wagner, Bruckner und Mahler wesentlich beeinflusste, ist weniger ihre Vergrößerung der symphonischen Dimensionen, als ihre Idee der "Vielfalt in der Einheit", die sich im alles Vorherige synthetisierenden Finale manifestiert. Damit werden Schillers am Ende erklingenden Worte "Seid umschlungen Millionen" zum Symbol der kompositionstechnischen wie philosophischen Grundidee des Werkes.


Freitag, 01_02_2019 20 Uhr
Samstag, 02_02_2019 19 Uhr
Sonntag, 03_02_2019 19 Uhr

JOSEPH HAYDN
Symphonie Nr. 104 D-Dur Hob. I:104 "Salomon"
Pause

WOLFGANG AMADEUS MOZART
Missa c-moll KV 427 "Große Messe"


JACQUELYN WAGNER, Sopran
JULIA LEZHNEVA, Sopran
JULIAN PRÉGARDIEN, Tenor
LIANG LI, Bass

MÜNCHNER PHILHARMONIKER
ANDREW MANZE, Dirigent

PHILHARMONISCHER CHOR MÜNCHEN
Einstudierung: Andreas Herrmann

Wolfgang Amadeus Mozart
Mit seinen Symphonien, Opern, Konzerten und seiner Kammermusik ist Wolfgang Amadeus Mozart heute der meistgespielte Komponist aller Zeiten. Am 27. Januar 1756 in Salzburg geboren, zeigte Mozart schon sehr früh eine phänomenale Begabung für die Musik. Sein Vater Leopold war ein renommierter Geiger und versah seinen Sohn mit einer gründlichen musikalischen Ausbildung, bevor er mit ihm Konzertreisen zu den Fürstenhöfen Europas unternahm, wo er von vielen gekrönten und ungekrönten Häuptern bewundert und verwöhnt wurde. Eben auf diesen Reisen hatte Mozart auch die ersten Begegnungen mit hochrangigen Komponisten seiner Zeit, die neben seiner einzigartigen musikalischen Begabung maßgeblich seinen Kompositionsstil beeinflussten: Auf seiner ersten großen, europaweiten Konzertreise lernte er 1764 Johann Christian Bach kennen, dessen Kompositionen einen starken Eindruck bei ihm hinterließen. 1769 führte ihn eine Italienreise nach Verona und Mantua, wo er die Musik der italienischen Meister des spätbarocken Stils G. B. Sammartini und N. Piccini kennenlernte; in Bologna vervollkommnte er seine musikalischen Kenntnisse im Unterricht bei Padre Martini, der in Italien und darüber hinaus als höchste Instanz in musikalischen Fragen galt.

Leopold Mozart hoffte auf eine Anstellung seines Sohnes als erster Musiker des Erzbischofs von Salzburg, doch mit 25 ertrug Wolfgang die geistige Enge des Prälaten und seiner Residenzstadt nicht länger und ließ sich als freier Musiker in Wien nieder.

Bereits in den 1860er Jahren ist in den Kompositionen Mozarts der Einfluss seines berühmtesten Wiener Zeitgenossen unüberhörbar: der Joseph Haydns. Besonders seine Streichquartette zeugen von der intensiven Beschäftigung mit Haydns Werken dieser Gattung. Eine weitere wichtige Inspirationsquelle wurden die Werke J. S. Bachs.

Mozarts Lebensweg ist eines der ersten Beispiele für die Emanzipation eines Tonkünstlers von der Rolle des Musikbediensteten eines Hofes zum freischaffenden Komponisten, der von den Einnahmen seiner Werke und Konzertauftritte lebt. Seine Werkliste verzeichnet einige hundert Kompositionen. Mit den Opern „Le nozze di Figaro“, „Don Giovanni“, „Così fan tutte“ und „Die Zauberflöte“ schuf er einige der genialsten, hellsichtigsten und vielschichtigsten Musikstücke aller Zeiten. Hinzu kamen etliche außergewöhnliche Instrumentalkompositionen: Symphonien, Klavierkonzerte, Quartette und Quintette und vieles andere mehr. Um Mozarts letzte Lebensjahre und seinen Tod ranken sich eine Unzahl an Mythen und Legenden, deren Anlass zum einen seine angebliche Armut, zum anderen die Umstände seines Todes sind; besonders der von einem Grafen Walsegg anonym erfolgte Kompositionsauftrag für das Requiem, Mozart letztes, unvollendet gebliebens Werk, gab immer wieder Anlass zu Spekulationen. Davon ist das Mozart-Bild bis heute beeinflusst.

Sein früher Tod am 05. Dezember 1791 in Wien im Alter von nur 35 Jahren gilt vielen als die größte Tragödie der Musikgeschichte. Er wurde am Friedhof St. Marx in einem Massengrab beigesetzt.


Manfred Honeck dirigiert »Die Fledermaus«
Samstag, 2. März 2019, 17 Uhr
Schweinfurt, Theater
Sonntag, 3. März 2019, 17 Uhr
Bamberg, Konzerthalle, Joseph-Keilberth-Saal

Johann Strauß (Sohn) »Die Fledermaus«, Operette in drei Akten (Konzertante Aufführung)

Bamberger Symphoniker
Manfred Honeck Dirigent

Philharmonischer Chor München
Einstudierung: Andreas Herrmann

Wir erzählen am Faschingssonntag vom Leben und Lieben in Wien. »Ich schreibe Tag und Nacht, arbeite wie ein Fiakerroß«, schrieb der »Walzerkönig« Johann Strauß einmal. Auf den großen Bällen fungierte er als Hofballdirektor, während auf dem Parkett die Paare in die eine oder andere Richtung kreisten. Immer wieder warnten Mediziner vor den angeblich »lebensgefährlichen Drehungen«. Dennoch: Wien versank damals im 3/4-Takt. Strauß sagte dazu: »Wenn ich geige, tanzen selbst die Küken in den Eiern mit!« Erstaunlich ist, dass er zunächst nicht so recht Operetten komponieren wollte. Aber seine Frau Jetty hatte mehr Ehrgeiz. »Schani«, wie er genannt wurde, musste ans Theater! Es gab erste Erfolge, aber auch ein paar Flops – und dann kam 1874 der Durchbruch mit der urwienerischen »Fledermaus«. Sie geht auf das Stück »Das Gefängnis« zurück – eine Gesellschaftsposse mit ironischen Untertönen, angesiedelt »in einem Badeort in der Nähe einer großen Stadt«. Hier gilt nur derjenige, der es nicht nötig hat, zu arbeiten. Das Ganze beginnt mit einer Art Konversationskomödie, die im Haus des Privatiers Eisenstein spielt. Nach und nach verabschieden sich die Gäste unter einem Vorwand – denn alle wollen auf das Fest des russischen Fürsten Orlofsky. Im Mittelpunkt der Operette steht das bunte Treiben dieses Maskenballs mit seinen aberwitzigen Verwechslungen. Sein und Schein: Im Strudel von Walzer und Galopp, im Rausch von Küssen und Champagner vergisst jeder seine angestammte Rolle für ein trügerisches Miteinander. Die finale Wiener Posse führt zum nüchternen Alltag zurück – und enthüllt, dass der Glanz der vornehmen Welt deutliche Kratzer aufweist. Strauß schuf ein Werk mit einer mitreißenden Musik, über die ein Zeitgenosse schwärmte: »Ihre Rhythmen fegten die Ereignisse in alle Winde, dass sie in der Luft herumtanzten.«


Freitag, 08_03_2019 20 Uhr
Samstag, 09_03_2019 19 Uhr

LUIGI NONO
"Djamila Boupacha" für Sopran solo

ALBAN BERG
Konzert für Violine und Orchester "Dem Andenken eines Engels"

Pause

ARNOLD SCHÖNBERG
"Friede auf Erden" für Chor und kleines Orchester op. 13

WOLFGANG AMADEUS MOZART
Requiem d-Moll KV 626 (Fragment)

ARNOLD SCHÖNBERG
"Friede auf Erden" für Chor a cappella op. 13


CHRISTIAN TETZLAFF, Violine
ELIZABETH KARANI, Sopran
TUURI DEDE, Mezzosopran
THOMAS ELWIN, Tenor
ERIK ROSENIUS, Bass

MÜNCHNER PHILHARMONIKER
BARBARA HANNIGAN, Dirigentin und Sopran

PHILHARMONISCHER CHOR MÜNCHEN
Einstudierung: Andreas Herrmann

Requiem d-Moll KV 626 (Fragment)
Fragment: Die von Wolfgang Amadeus Mozart skizzierten und von Franz Xaver Süßmayr vervollständigten Sätze 1-3 bis zum Takt 8 des Lacrimosa.

Arnold Schönberg (1874-1951) ist eine der wichtigsten Komponistenpersönlichkeiten unseres Jahrhunderts. Ausgehend von einer letzten Steigerung der Spätromantik zog er um 1910 mit dem Schritt in die Atonalität die radikalste Konsequenz aus der damals empfundenen Krise der Tonalität. Etwa 15 Jahre später entwickelte er die Zwölftontechnik, die eine wichtige Voraussetzung für die serielle Reihenkomposition nach dem Zweiten Weltkrieg wurde. Mit seinen Schülern Berg und Webern begründete er die Zweite Wiener Schule, die für die Entwicklung der Neuen Musik maßgeblich war. Allerdings, und das ist die Kehrseite von Schönbergs kompositionstechnischen Entwicklungen, entstand durch Schönbergs Wirken und seine Werke eine Kluft zwischen der Intention des Komponisten und dem Konzertpublikum, das weder dem intellektuellen Anspruch seiner Werke zu folgen vermochte, noch auf traditionelle Hörgewohnheiten verzichten wollte. Die Überwindung oder Missachtung dieser Diskrepanz bestimmt bis heute das Schaffen moderner Komponisten.
"Friede auf Erden" für Chor a cappella op. 13: Schönbergs meist aufgeführtes Chorwerk steht noch ganz im Bann der Spätromantik. Sein ungewöhnlich dichter, auf Transparenz verzichtender Satz versucht das Pathos von Conrad Ferdinand Meyers Textvorlage atmosphärisch einzufangen, an manchen Stellen sogar zu überbieten. Aus dem Monumentalen der Gesamtanlage und der extremen Spannweite der Intervallstruktur resultieren notgedrungen Intonationsprobleme und Probleme der exakten Stimmführung, weshalb Schönberg "ad libitum" eine Instrumentalbegleitung anbietet, die dem Chor das freie Intonieren erleichtern soll. Bemerkenswert ist die zeitliche Nachbarschaft von "Friede auf Erden" und zwei anderen, wesentlich avancierteren Werken Schönbergs, dem 2. Streichquartett in fis-Moll und den 15 Klavierliedern nach Stefan Georges "Buch der hängenden Gärten". Was in "Friede auf Erden" noch nicht erkennbar ist: Mit dem Quartett und den Liedern beginnt Schönbergs unbeirrbarer Weg in Richtung Atonalität.


Dienstag, 14_05_2019 20 Uhr
Mittwoch, 15_05_2019 20 Uhr

IGOR STRAWINSKY
"The Rake's Progress" konzertante Aufführung


SOFIE ASPLUND, Sopran
MARTA ŚWIDERSKA, Mezzosopran
GYULA RAB, Tenor
JAMES WAY, Tenor
DOUGLAS WILLIAMS, Bassbariton
TREVOR ELIOT BOWES, Bass

MÜNCHNER PHILHARMONIKER
BARBARA HANNIGAN, Dirigentin und Sopran

PHILHARMONISCHER CHOR MÜNCHEN
Einstudierung: Andreas Herrmann

Igor Strawinskys Werk (geboren am 17. Juni 1882 in Oranienbaum; heute: Lomonosov) zeichnet sich durch eine große Stilvielfalt aus. Kaum eine Technik oder eine stilistische Entwicklung seiner Zeit, mit der er sich nicht auseinandergesetzt, die nicht in seinem umfangreichen, alle Gattungen umfassenden Werk ihren Niederschlag gefunden hat. Nach anfänglichem Kompositionsunterricht bei Nikolai Rimski-Korsakow bildete Strawinsky sich weitgehend autodidaktisch aus. Stehen seine frühen Werke wie die wild-expressiven Ballette "Der Feuervogel", "Petruschka" oder "Le sacre du printemps" noch unter dem Einfluss des Impressionismus wie russischen Nationalismus, entwickelt Strawinsky ab 1920 die Stilrichtung des Neoklassizismus. Mit dem Rückgriff auf alte Formen und Techniken der Musik, die er dann verfremdet und seinem eigenen klaren, rhythmisch geprägten Stil anpasst, intendiert er ebenso Zeitlosigkeit wie ein produktives Aneignen von Tradition. Über seine Musik sagte er, sie sei "unfähig, irgendetwas auszudrücken"; sein Komponieren betrachtete er als artistisches Spiel mit den unterschiedlichsten Stilmitteln. In seinem Spätwerk wendet Strawinsky sich auch der Zwölftontechnik und dem seriellen Komponieren zu. Neben Schönberg gilt Strawinsky als der einflußreichste Komponist des 20. Jahrhunderts. Igor Strawinsky starb am 6. April 1971 in New York.


Samstag, 22_06_2019 19 Uhr
Sonntag, 23_06_2019 19 Uhr
Montag, 24_06_2019 20 Uhr

JOSEPH HAYDN
"Die Schöpfung" Hob. XXI:2

MOJCA ERDMANN, Sopran
DMITRY KORCHAK, Tenor
RENÉ PAPE, Bass

MÜNCHNER PHILHARMONIKER
ZUBIN MEHTA, Dirigent

PHILHARMONISCHER CHOR MÜNCHEN
Einstudierung: Andreas Herrmann

Joseph Haydn: "Eine Symphonie ist seit Haydn kein bloßer Spaß mehr, sondern eine Angelegenheit auf Tod und Leben", würdigte Johannes Brahms die musikalische Leistung Joseph Haydns, der in fast allen Gattungen bahnbrechende Werke schuf. Von der Emotionen fordernden Romantik völlig zu Unrecht als altmodischer "Papa Haydn" belächelt, hatte der Komponist mit höchst intellektuellem und brillantem Formverständnis die eigentliche Tonsprache der "Wiener Klassik" geschaffen, die für Mozart und Beethoven zu Grundlage und Vorbild wurde. So gilt Haydn nicht nur als "Erfinder" der klassischen, viersätzigen Symphonie, sondern auch des Streichquartetts und der Klaviersonate. Seine Messen und Oratorien wie "Die Schöpfung" und "Die Jahreszeiten" wurden zum Ausgangspunkt der Sing- und Oratorienbegeisterung des 19. Jahrhunderts. Ab 1761 als Hofkapellmeister im Dienst der Fürsten Esterházy, fand Haydn hier die sichere Grundlage und Basis für sein kompositorisches Experimentieren mit neuen Formen und einer persönlichen Musiksprache. Seine zwei Reisen nach London, für die er seine berühmten 12 "Londoner Symphonien" schrieb, wurden zu wahren Triumphzügen. Von den Zeitgenossen hoch geschätzt und verehrt, starb Haydn 1809 in Wien.