Saison 2017/2018

1.7.2018 - Wolfegg, Pfarrkirche St. Katharina
Gregorio Allegri: Miserere
Luigi Cherubini: Requiem c-moll
Giuseppe Verdi: Laudi alla Vergine Maria

Orchestra dell’Accademia Teatro alla Scala
Dir.: Manfred Honeck

Schwäbische Zeitung, 2. Juli 2018
Eindringliche Kirchenmusik aus drei Jahrhunderten
KATHARINA VON GLASENAPP

Das Kirchenkonzert in der Pfarrkirche St. Katharina zum Abschluss der Internationalen Wolfegger Konzerte bot, wie immer bei dem Dirigenten Manfred Honeck, ein ungemein dichtes Programm. Zum wiederholten Mal war der Philharmonische Chor München zu Gast, Chorleiter Andreas Herrmann hatte seine Sängerinnen und Sänger perfekt auf ein selbst für sie in großen Teilen neues Repertoire eingestimmt.

Wie das Orchesterkonzert im Rittersaal am Samstag war auch das Kirchenkonzert, das dem Dirigenten immer besonders am Herzen liegt, von italienischer Musik geprägt: Zwei ebenso berühmte wie berührende A-cappella-Stücke bildeten den Rahmen, das gewichtige Requiem von Luigi Cherubini stand im Mittelpunkt. Das „Miserere mei, Dominus“, die Vertonung des 51. Psalms des römischen Priesters Gregorio Allegri aus den 1630er Jahren, war bis 1870 jedes Jahr am Karfreitag in der Sixtinischen Kapelle aufgeführt worden. Den Sängern des päpstlichen Chors war es verboten gewesen, die Noten aus der Hand zu geben oder abzuschreiben. Mozart hörte das Stück im Alter von vierzehn Jahren und schrieb es aus dem Gedächtnis auf, sonst wäre es vielleicht verlorengegangen. In der schlichten Komposition wechseln mehrstimmiger Satz und gregorianischer Choral ab. Der Philharmonische Chor München pflegte einen schlanken, warmen Klang, ein Soloquartett mit einer in überirdische Höhen aufsteigenden Sopranistin war auf einer der Seitenemporen über dem Altarraum postiert – ein eindrücklicher Beginn!

Diese besondere Stimmung setzte sich in dem Larghetto des schottischen Komponisten James MacMillan fort: Ursprünglich ist auch dieses Werk eine A-cappella-Vertonung des 51. Psalms aus dem Jahr 2009 für das britische Ensemble „The Sixteen“. Im vergangenen Jahr schuf er eine Orchesterfassung des Chorwerks und widmete sie Manfred Honeck, der das nun “Larghetto“ benannte Stück im vergangenen Oktober mit seinem Pittsburgh Symphony Orchestra zur Uraufführung brachte. Aus tiefen Streichern aufsteigend fächert sich der Klang des Orchesters immer mehr auf, bringt ausdrucksstarke Aufwallungen von Bläsern und Schlagwerk, der geistliche Charakter bleibt auch in der Instrumentalversion erhalten. Auch MacMillan lässt gregorianischen Choral einfließen und diesen von den Bläsern gleichsam rezitieren – die jungen Musiker der Orchesterakademie der Mailänder Scala lösten auch diese höchst anspruchsvolle Aufgabe mit Bravour.

Das Requiem in c-moll des italienischen Komponisten Luigi Cherubini war für die Komponisten des 19. Jahrhunderts von großer Bedeutung. Beethoven wünschte es sich zu seiner Trauerfeier, für viele spätere Kollegen setzte Cherubini hörbar Maßstäbe. Dennoch ist das facettenreiche Werk außerhalb Italiens relativ unbekannt. Nun konnte man es dank Honecks intensiver Gestaltung, dem großen Engagement der jungen Musiker des Orchestra dell’Accademia Teatro alla Scala und dem leistungsfähigen Philharmonischen Chor München erleben. Das Werk kommt ohne Solisten aus, nur für eine kurze Passage hebt sich ein Quartett aus dem Chor heraus. Die Tradition der musikalischen Rhetorik mit ihrem bittenden, flehenden Charakter im Requiem wird fortgeführt, gleichwohl fehlt es im flammenden „Dies irae“ nicht an stürmischer Dramatik. Eine kunstvolle Fuge im Offertorium , festlicher Jubel im „Sanctus“, ein lichtes „Pie Jesu“ und ein „Agnus Dei“, das sich aus angstvollen Punktierungen zu sanfter Ruhe wandelt, zeichnen das Werk aus.

Der wiederum beeindruckende Schluss des Konzerts war den Damen des Chors vorbehalten: Die „Laudi alla Vergine Maria“ sind ein Teil von Giuseppe Verdis „Quattro pezzi sacri“ und vertonen einen Text von Dante Alighieri aus seinem „Paradiso“. Schwebend leicht und ausdrucksvoll, unangestrengt auch nach langen Proben und am Ende des Konzerts folgte der Frauenchor dem fließend plastischen Dirigat von Manfred Honeck. Glockengeläut und herzlicher Beifall für das junge italienische Orchester, den Chor und seinen Leiter Andreas Herrmann und den Dirigenten beendeten ein intensives Konzertwochenende.

Vorarlberger Nachrichten vom 3.7.2018
Präzision, Preziosen, Lyrik und Leidenschaft
von Christl Voith

Internationale Wolf­egger Konzerte unter Manfred Honeck wurden begeistert gefeiert.

WOLFEGG Viel zu schnell sind am Wochenende die 29. Internationalen Wolfegger Konzerte unter der Leitung des international tätigen Vorarlberger Dirigenten Manfred Honeck vorbeigegangen. Mit der Orchestra dell’Accademia Teatro alla Scala hatte sich Honeck, der das Festival seit Jahren leitet, ein Konzert mit jungen italienischen Musikern nach Wolfegg geholt. Was lag da beim Orchesterkonzert am Samstag näher als ein Schwelgen in Italianità. Im Mittelpunkt standen Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, kontrastiert durch die entfesselte Dynamik in Piazzollas „Cuatro estaciones porteñas“. Solist war der in Australien aufgewachsene Taiwanese Ray Chen, der in lyrischen Passagen mit seiner Stradivari betörte und bei tobender Natur derart feuriges Temperament vorlegte, dass sogar eine Saite riss. Unbeeindruckt spielte er den Satz zu Ende und zog während des Applauses eine neue Saite auf. Vielfarbig leuchtend malten Solist und Orchester die Natur und ließen tief eintauchen in ihre Launen.

Umrahmt waren die Werke von vier Ouvertüren zu Opern von Rossini und Verdi. Welcher Farbenreichtum, welche Vielfalt der Stimmungen erweckte Honeck, ob für den „Barbiere di Siviglia“ oder die „Traviata“ oder die dramatische Wucht des „Maskenballs“. Selten hat man die Ouvertüre zur „Diebischen Elster“ so prägnant gehört, das Spiel der einzelnen Instrumente, ob leise oder mit martialischer Kraft. Honeck dirigiert mit Blicken, mit kleinen gezielten Gesten, seine Hände malen den Rhythmus, die Arme breiten sich weit aus, dann ein Lächeln und die Musik streichelt sanft.

-- Eigens für Honeck geschaffen --

Italienisch war auch das Kirchenkonzert am Sonntag, das mit Cherubinis „Missa pro defunctis c-Moll“ ein selten zu hörendes Requiem vorstellte, das die Emotionen dem Orchester und dem Chor überträgt. Beide wirkten intensiv zusammen, um Hölle und Himmel zu vereinen. Angstvoll stieß der Chor das „Dies irae“ hervor, demütig flehte er um ein seliges Ende, strahlend lobte er die Herrlichkeit Gottes, innig sangen Männer- und Frauenstimmen im Wechsel das „Pie Jesu“. Die Stimmkraft explodierte förmlich im „Agnus Dei“, um schließlich leise zu entschweben. Mit Gregorio Allegris a cappella gesungenem „Miserere“ hatte der Philharmonische Chor München eingangs seine besondere Stimmkultur bewiesen, ebenso begeisterte zuletzt der Frauenchor a cappella mit Verdis spätem „Laudi alla vergine Maria“ in G-Dur. Einen besonders nachhaltigen Eindruck hinterließ das 2017 uraufgeführte „Larghetto for Orchestra“, ursprünglich ein Chorwerk, das der amerikanische Komponist James MacMillan zu Honecks zehntem Jubiläum als Chef des Pittsbourgh Symphony Orchestra für ihn orchestriert hatte. Aus stiller Meditation öffnete es sich zu großer Weite und Strahlkraft.


20./21./22.6.2018 - Philharmonie/Gasteig
Béla Bartók: Der wunderbare Mandarin
Münchner Philharmoniker
Dir.: François-Xavier Roth

in der Urfassung (mit gemischtem Chor)

SZ vom 20.6.2018:

(...) Das ist es: Die Authentizität des Instrumentariums! Die holt Roth wieder rein, er postuliert Mut und Vielfalt. Die Philharmoniker erlebt er als das agile Werkzeug gegen Gleichmacherei und Angst. Musik sei ein Spiegel der Gesellschaft, überall hasenherzige neue Musik, in kurzen Formen voller Grenzen und Normen. "Wir müssen schreien, dass Kunst nichts mit Entertainment zu tun hat! Weg mit dem Populismus! Und auch weg mit der Idee, Hochkultur stehe nur für ein "Fragment der Gesellschaft", sagt Roth. Nix Elite, Grundnahrung für die Gesellschaft.


Richard Wagner: Der fliegende Holländer
15.5.2018 - Philharmonie/Gasteig München
18.5.2018 - Pfingstfestspiele / Festspielhaus Baden-Baden
Münchner Philharmoniker
Dir.: Valery Gergiev

Online Merker vom 19.5.2018 https://onlinemerker.com/baden-baden-festspielhaus-der-fliegende-hollaender-kunzertant/

BADEN-BADEN/ Festspielhaus: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER – konzertant
Der Holländer als Retter in höchster Not
Richard Wagners „Fliegender Holländer“ konzertant am 18. Mai bei den Pfingstfestspielen im Festspielhaus/BADEN-BADEN

Ein betörendes Fest der Klangfarben. Vor allem die wilde Chromatik feierte dann später bei den Chor-Szenen wahre Triumphe. Da flossen Singstimmen und Orchester ganz zusammen, gingen im ungeheuren Brausen des Meeres unter und tauchten dann plötzlich wieder mit ungebändigter Strahlkraft auf. Im Englischhorn meldete sich zart die sphärenhafte Verheißung der Erlösungsmelodie. In wilder Leidenschaft tobte bei dieser gelungenen Aufführung immer wieder der ohrenbetäubende Sturm los, riss die fulminante Sängermannschaft gleichsam mit, ließ den Solisten kaum eine Atempause. Das war ein begeisterndes rhythmisches Pulsieren, das die Vision des gespenstisch vorbeigleitenden Schiffes in sich aufnahm und verinnerlichte.
(...) Und die Oboe berschrieb Sentas Vorzüge bis zum „Mitleids-Motiv“ mit bewegender Emphase. Hier leitete auch die Musik des Matrosenchors zum anmutigen Lied der Spinnerinnen über, wobei sich der Philharmonische Chor München unter der subtilen Einstudierung von Andreas Herrmann weiter profilieren konnte.
(...) Exzellent gelang Gergiev mit dem Ensemble auch der dritte Aufzug mit der Bewährungsprobe von Sentas Treue. Die naturwüchsige Schilderung seemännischen Lebens trat dabei immer deutlicher hervor, Flammen waren an den Masten zu spüren – und ein kräftiger Rhythmus brauste durch die Segel. Und der Geisterchor wirkte daraufhin umso unheimlicher. Man begriff, dass Richard Wagner mit dem Fliegenden Holländer natürlich sich selbst meinte. Ovationen des Publikums belohnten diese von starkem innerem Feuer getragene Festspielaufführung.

Online Merker vom 19.5.2018
https://onlinemerker.com/baden-baden-der-fliegende-hollaender/

BADEN-BADEN: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER
Sänger sind nun mal keine Automaten
Konzertante Aufführung 18.05.2018

In Klangschönheit wunderbar detailliert , vortrefflich ausbalanciert formierten sich die Damen des Philharmonischen Chors München (Andreas Herrmann) zum Spinnerinnenchor, sonor markant in rhythmischer Raffinesse gesellten sich die Männerstimmen zu den von Gewitter und Sturm umbrausten Vokal-Elementen.

Bachtrack.com, 17.5.2018

Valery Gergiev sticht mit einem konzertanten Holländer in See
Von David Renke, 17 Mai 2018

Stimmgewaltig mischte der großbesetzte Philharmonische Chor mit, der die berühmt gewordenen Chöre der Spinnerinnen zu Beginn des zweiten und besonders der Matrosen zu Beginn des dritten Aufzugs kraft- und effektvoll sang.

Süddeutsche Zeitung (Feuilleton) vom 16.5.2018

Wagnerträume, hier werden sie wahr. (...) Der Tenor Eric Cutler als Erik trug mit sauberem, sicherem Tenor dazu bei, auch die Männerabteilung des Philharmonischen Chores.

Abendzeitung (Kultur) vom 16.5.2018

Münchner Philharmoniker - Valery Gergiev dirigiert Wagners "Fliegenden Holländer"
Valery Gergiev und die Philharmoniker mit Richard Wagners „Fliegendem Holländer“ im Gasteig

(...) Dazu frische und machtvoll auftrumpfende Damen und Herren des Philharmonischen Chors (Einstudierung: Andreas Herrmann) und ein warmer, dunkler Orchesterklang.

Münchner Merkur vom 17.5.2018
"Fliegender Holländer im Münchner Gasteig"

(...) der klangmächtig auftrumpfende Philharmonische Chor (...)


Antonin Dvorak: Stabat mater
12./13./15.4.2018 - Philharmonie/Gasteig München
Münchner Philharmoniker
Dir.: Manfred Honeck

Abendzeitung vom 14.4.2018

Der Philharmonische Chor und die Münchner Philharmoniker mit Dvoraks „Stabat mater“ unter Manfred Honeck
(...) Wie aber der Philharmonische Chor München in der Einstudierung von Andreas Herrmann die lateinische Sprache mit nachdrücklichem Ernst deklamiert, wie die Soprane selbst in der Höhe noch locker bleiben und die aufschreiartigen Tutti vollkommen ausgewogen die Philharmonie erzittern lassen: das ist schlichtweg große Kunst.

Süddeutsche Zeitung vom 14.4.2018

Als unheilvolle raunende Masse schmiegt sich der Chor schimmernd in diese Musik, nicht dramatisch, eher flüsternd betroffen und bewegend. (...) Der dramaturgische Weg Honecks - vom Dunkel zum Strahlen - löst sich im schön transparenten und gleichsam mitnehmenden Schlussteil beinahe apotheotisch ein.

Münchner Merkur vom 14.4.2018

"Paradiesisch"


Henryk Mikolai Gorecki: Totus tuus
Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem
Wolfgang Amadeus Mozart: Ave verum

28.3.2018 - Erlöserkirche Lustenau (Vorarlberg/Österreich)
Sinfonieorchester Vorarlberg Dir.: Manfred Honeck

Vorarlberger Nachrichten vom 30.3.2018
Ein starkes musikdramatisches Ereignis
https://www.vn.at/kultur/2018/03/29/ein-starkes-musikdramatisches-erlebnis.vn

(...) Heuer hat Manfred Honeck erstmals mit dem Philharmonischen Chor München einen Volltreffer gelandet, der als einer der führenden Profi-Konzertchöre Deutschlands alles in den Schatten stellt, was man hier bisher an vokaler Strahlkraft, Klangkultur und Präzision (Chorfuge im „Kyrie“) vernommen hat. (...)


Gustav Mahler: III. Symphonie
2./4./5.3.2018 - Philharmonie/Gasteig München
Münchner Philharmoniker Dir.: Kent Nagano

SZ vom 5.3.2018 - kurz und kritisch

Kent Nagano und die Münchner Philharmoniker

Von Klaus P. Richter

Der große Pan ist nicht tot. Langsam erwacht er aus einer dunklen Klanglandschaft, in der geisterhaftes Trommelgemurmel und unterirdische Fagotte einen Urzustand der Weltschöpfung malen, bis dann aus der vegetativen Starre das erste Posaunensolo von hellem Lebenswillen kündet. Bald kündigen drängende Marschrhythmen eine Weltentstehungsreise in den Bacchuszug eines flirrenden Sommers an. Kent Nagano, zu Gast bei den Münchner Philharmonikern, erweckt den alten Gott mit strategischer Intensität und Raffinesse nach und nach aus dunklem Glimmen zu greller Glut.

Schon zuvor, bezeichnend für Gustav Mahlers stets präsentes Verkündigungsethos, stand der Weckruf eines Hornsignals: die Devise für den ersten Teil seiner Sinfonie Nr. 3 d-Moll. Dort unternimmt er nach der eschatologischen zweiten Sinfonie eine kosmologische Weltwanderung. Inspiriert von Nietzsche, Schopenhauer und dem Dichterfreund Siegfried Lipiner wird es eine Evolutionserzählung des Seienden vom Pflanzenreich bis zu den Engeln. Die Titel der sechs Sätze im Partiturautograf enthüllen sie als sinfonische Programmmusik: "Was mir die Blumen auf der Wiese erzählen. Was mir die Thiere im Walde erzählen. Was mir der Mensch erzählt. Was mir die Engel erzählen..."

In der unbekümmerten Blumenwelt des zweiten Satzes mit Menuett und scherzoartigem Trio befreit Nagano schweres Bläserkolorit zu kammermusikalischer Leichtigkeit. Auch im dritten Satz tönt er hochpoetische Posthornepisoden und den unvermeidlichen Mahlerschen Weltschmerz mit feiner Delikatesse ab. Er trifft als kundiger Adept von Olivier Messiaen auch das bukolische Klangkaleidoskop der Naturlaute und lässt sich, präzise jeden Einsatz gebend, in die deftigen Polka-Turbulenzen ein.

Alle Theatralik tritt vor der magischen Überweltstimmung zurück, wenn Elisabeth Kulmann mit dem auratischen Zauber ihrer Altstimme das "Misterioso" von Nietzsches Mitternachtslied aus "Zarathustra" beschwört. In der Erzählung von den "Engeln" kommen der leuchtende Frauenchor des Philharmonischen Chores, die Augsburger Domsingknaben und ein um Harmlosigkeit bemühtes Glockenspiel dazu. Die Schlussapotheose aber gehört der "Liebe". Mahler empfindet die "himmlische" als überirdischen Adagio-Frieden. Kaum weniger himmlisch war das Spiel der Philharmoniker.

tz/MM vom 5.3.2018

Die Urgewalt

(...) Das Publikum ist nach dem mächtigen Schluss im strahlenden D-Dur geplättet. Weihe-Stille vor dem Applaus, der immer stärker anschwillt - so bebt's in den Herzen nach. Genau so hört sich das an, wenn man wirklich ergriffen ist.

az vom 5.3.2018


Ludwig van Beethoven: IX. Symphonie
Ode an die Freude

30./31.12.2017 - Philharmonie/Gasteig München
Münchner Philharmoniker Dir.: Krzysztof Urbanski

MM vom 2.1.2018
(...) Dafür gab’s einen prachtvoll disponierten Philharmonischen Chor und Verschwenderisches auf den Solistenpositionen mit Simona Sáturová (Sopran), Katharina Matiera (Alt), einem unforciert zupackenden Maximilian Schmitt (Tenor), vor allem mit Georg Zeppenfeld (Bass), der vorführte: Ja, sogar die Neunte lässt sich so gestalten, als erlebte man sie zum ersten Mal.

AZ vom 2.1.2018
(...)
Beethovens Neunte mit den Münchner Philharmonikern unter Krzysztof Urbanski im Gasteig

Ein Mann wie ein Baum und mit einer Riesenstimme, die den sängerfeindlichen Gasteig sofort beherrscht. Bei Georg Zeppenfald findet das Solo "O Freunde nicht diese Töne!" endlich zu sich: Als Ordnungsruf, der das Drama des instrumentalen Teils von Beethovens Symphonie Nr. 9 von der gesungenen Utopie einer verbrüderten Menschheit trennt. Wer die traditionelle Aufführung der Münchner Philharmoniker zum Jahreswechsel öfters besucht, der weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit ist.

Ab der Freudenmelodie verbreitete sich diesmal fast wunschloses Glück: Der von Andreas Herrmann einstudierte Chor musste bei aller Intensität nie forcieren. Simona Saturnova und Katharina Maghiera meisterten locker den Wechsel zwischen Kraft und Ruhe beim "sanften Flügel". Maximilian Schmitt blieb beim "Froh wie seine Sonnen fliegen" länger hörbar (und schön!) wie die meisten seiner Kollegen. Der Dirigent Kzysztof Urbanski machte das gesungene Finale zum Ziel- und Angelpunkt der Neunten. (...)


Rodion Shchedrin: The Enchanted Wanderer
Konzertoper in zwei Akten

19./20.12.2017 - Philharmonie/Gasteig München
Münchner Philharmoniker Dir.: Valery Gergiev

bachtrack.com vom 21.12.2017
(...) Die über 120 Sängerinnen und Sänger des Philharmonischen Chors (Einstudierung: Andreas Hermann) waren hochmotiviert, gleichermaßen als murmelnd betende Gläubige in der Kirche sowie von außen kommentierender Chor einer griechischen Tragödie. Mit erfreulich vielen und guten Männerstimmen reich gesegnet begannen sie die Erzählung, fast nur hauchend, langsam anschwellend, mit Glockenklängen und wenigen Streichern zart ausgemalt. Sie zeigten aber auch ihr Vermögen, die wilde tartarische Volksmasse abzubilden, bewundernswert im russischen Idiom die angestachelte Wut und Tötungsabsicht in vielfarbigen musikalischen Bildern schonungslos herauszuschleudern. (...)

MM vom 21.12.2017
(...) die imposanten Chorszenen machten Effekt, und manches von Gergiev herausgekitzelte Instrumentationsdetail ließ aufhorchen (...)

AZ vom 20.12.2017
(...) Die Mezzosopranistin Ekaterina Sergeeva, der Tenor Andrei Popov und der Bassist Sergei Aleksashkin singen so wunderbar, dass man Ehrfurcht vor dem Niveau ihres Stammhauses, dem Mariinsky Theater in St. Petersburg, bekommen muss. Ebenso außerordentlich ist die Leistung des Philharmonischen Chores München (Einstudierung: Andreas Herrmann), dessen sensible Kraftentfaltung professionell zu nennen ist. (...)


J.S. Bach: Weihnachtsoratorium, Kantaten 1-4
7./8./9.12.2017 - Philharmonie/Gasteig München
Münchner Philharmoniker Dir.: Ton Koopman

bachtrack.com vom 9.12.2017
Zwischen Neu und Alt: Bachs Weihnachtsoratorium mit den Münchner Philharmonikern

Mit seinem Weihnachtsoratorium hat der tief gläubige Johann Sebastian Bach der Geburt Jesus Christus ein Denkmal gesetzt, das sich heute zur Weihnachtszeit höchster Beliebtheit erfreut und in zahlreichen Aufführungen zu einem so festen Bestandteil der Weihnachtszeit geworden ist, wie der Adventkranz oder Weihnachtsbaum. Die Münchner Philharmoniker stellten sich daher zurecht die Frage, wie sich eine mögliche Interpretation von den zahlreichen anderen Aufführungen unterscheiden könnte. Mit Ton Koopman haben die Philharmoniker einen ausgewiesenen Experten für Alte Musik ans Pult geholt, der den Versuch wagte, die alte Qualität des Oratoriums auf das moderne Instrumentarium zu übertragen.

Neben Koopman und den Philharmonikern trugen vor allem die Solisten und der Philharmonische Chor München zu einem gelungenen Oratorium bei, das allerdings gegen die Akustik der Philharmonie anzukämpfen hatte. Denn die festlichen Jubelchöre des „Jauchzet, frohlocket“, die sich sonst zumeist in prächtige Kirchenakustik wälzen können, wirkten in der Philharmonie ziemlich dröge. Die Entscheidung, den Chor mit gut fünfzig Sängern recht groß zu besetzen, erwies sich daher allerdings als richtig, da der Philharmonische Chor (Einstudierung Andreas Herrmann) nicht nur einen prächtigen Klang präsentierte, sondern auch sehr detailliert artikulierte und homogen agierte. Jede Stimme wirkte ausgewogen repräsentiert und der Chor schuf eine angenehme Transparenz in den Chorälen. (...)

MM / Oberbayerisches Volksblatt vom 9.12.2017
(...) „Jauchzet, frohlocket“ kommt energiegeladen und lebendig daher. Daran hat der Philharmonische Chor (Einstudierung: Andreas Herrmann) maßgeblichen Anteil, durch klare Artikulation, Homogenität und Klangschönheit. (...)

SZ vom 9.12.2017
Tiefsinnig - Ton Koopman mit Bachs Weihnachtsoratorium
(...) mit dem "Jauchzet, Frohlocket"-Jubilus entfaltete der 55 Sänger starke Chor (trainiert von Andreas Herrmann) eine vitale Strahlkraft (...)

AZ vom 8.12.2017
Ton Koopman, die Münchner Philharmoniker und der Philharmonische Chor mit Bachs „Weihnachtsoratorium“ im Gasteig
(...) der Philharmonische Chor ist mit gut 50 Köpfen in einer Stärke besetzt, die Historisierer eigentlich kaum mehr einzusetzen wagen.
Eine gewisse Inkonsequenz kennzeichnet also diese Aufführung der ersten vier Kantaten aus Bachs wohl populärstem Werk. Das ist durchaus kein Problem, in der Musik muss es schließlich nicht puristisch zugehen. Die Größe des Chors ist unbestreitbar ein Vorteil, nicht zuletzt auch, weil Andreas Herrmann in seiner Einstudierung eine Ausgeglichenheit erreicht hat, die sonst nur professionellen Ensembles zukommt. Die oft unterrepräsentierten Register, Alt und Bass, sind mit klaren Linienführungen präsent, wie sie dünner besetzten Chören deutlich schwerer möglich sind. (...)