15./17.03.2017 | Philharmonie/Gasteig

George Benjamin: Dream Of The Song

(komponiert 2015 - Münchner Erstaufführung)

Frauenchor des Philharmonischen Chores München
(Einstudierung: Andreas Herrmann)

Münchner Philharmoniker

Dir.: Kent Nagano

 

 

SZ vom 17. März 2017
Kurzkritik

Komplexes Programm

Kent Nagano und die Münchner Philharmoniker

von Klaus Kalchschmid


Es fühlte sich fast an wie ein Sonderkonzert zur Münchner Biennale für neues Musiktheater. Denn wann spielen die Philharmoniker schon ausschließlich Musik des 20. und 21. Jahrhunderts in einem Konzert? Kent Nagano machte es möglich und erwies sich mit einem beziehungsreichen, amerikanisch-britischen Programm fast als Visionär: Beginnend mit Charles Ives' "Unanswered Question" samt sphärisch entrückter Ferntrompete und endend mit der großartigen zweiten Symphonie von Leonard Bernstein aus den Jahren 1948/49. Sie ist eigentlich ein verkapptes Klavierkonzert und trägt den Titel "The Age of Anxiety - Das Zeitalter der Angst".

 

Dazwischen gab es als Münchner Erstaufführung den Liederzyklus "Dream Of The Song" für Countertenor, Frauenchor und kleines Orchester nach Texten von Solomon Ibn Gabirol, Samuel Hanagid und Federico Garcia Lorca. Leider war Andrew Watts erkrankt, und seinen Einspringer Christopher Robson konnte man teilweise kaum hören. Das tat der Faszination dieser klanglich so abwechslungsreichen, melodisch dichten und doch durchsichtigen Musik keinen Abbruch, zumal immer wieder die Frauen des Philharmonischen Chors als prägnanter Hintergrund sangen.

(...)

 

 

 

MM (Kultur) vom 17. März 2017

Wider das Gepolter

Kent Nagano bei den Münchner Philharmonikern

von Anna Schürmer

 

(...) Besonders sensibel aber arbeitet Nagano mit den Philharmonikern die leisen, schmerzlichen Passagen heraus, als wolle er ein klingendes Zeichen gegen das Gepolter unserer Zeit setzen. Auch in Großbritannien finden sich Stimmen, die ein Gegengewicht zum Populismus formulieren: In George Benjamins "Dream of the Song" (2015) ist das der ätherische Countertenor-Klang von Christopher Robson und der Philharmonische Frauenchor, die von einem kleinen Orchester begleitet in eine irritierende Kommunikation über den Geist arabischer Poesie treten. Ein eindrückliches Programm, das zum Nachdenken anregt.

 

 

 

Bachtrack vom 16.3.2017

Fragen im Zeitalter der Angst: Kent Nagano zu Gast bei den Münchner Philharmonikern
von David Renke

 

(...) Erst im Zusammenspiel mit dem Frauenchor, der zunächst als Gegenpart zum Countertenor agierte und schließlich mehr und mehr Klangfarben entwickelte, offenbarte sich die Differenziertheit in Benjamins Werk. (...)

Es war ein bemerkenswert spannendes Programm, das Kent Nagano sich für sein Gastspiel bei den Philharmonikern ausgesucht hatte, und die Spielfreude, die er dem Orchester entlockte, bewies, dass die Philharmoniker auch abseits ihres Wohlfühlrepertoires aus Romantischem aller Art exzellente Leitung bieten.


09.02.2017 | Herkulessaal der Münchner Residenz

Dona nobis pacem - Große Chormusik für den Frieden

Heinrich Schütz: Verleih uns Frieden

Rudolf Mauersberger: Wie liegt die Stadt so wüst

Igor Strawinsky: Mass

Anton Bruckner: Messe Nr.2 e-moll

Philharmonischer Chor München

Bläser der Münchner Philharmoniker

Dir.: Andreas Herrmann

 

AZ vom 11. Februar 2017

Erstaunlich locker und zugleich wunderbar präsent

Der Philharmonische Chor mit Musik von Schütz, Bruckner und Strawinsky im Herkulessaal

 

(...) Weil die Transparenz des Herkulessaals nicht durch übermäßigen Nachhall beeinträchtigt ist und die Bläser der Münchner Philharmoniker feinfühlig sekundieren, liegen die Qualitäten des etwa 110 Köpfe starken Chores vollkommen frei: die vollendete Reinheit der Intonation, die durch ruhige Gespanntheit gestützt wird, die genau ausgehörte Balance der einzelnen Register, innerhalb derer die Lockerheit frappiert, mit der die hohen Stimmen agieren, aber auch die Präsenz der tiefen; schließlich die streng auf Deutlichkeit verpflichtete, rhythmisch aufgeladene, dabei immer hochmusikalische Deklamation des Textes, übrigens ein Markenzeichen Andreas Herrmanns. Schlicht begeisternd ist, wie straff der musikalische Fluss organisiert wird. Wenn die Musik sich im "Kyrie" in einem Aufschrei verdichtet, dann ist dieser mit klarem Formbewusstsein hergeleitet und nachvollziehbar.

(...)

In diesem Auftreten des Münchner Philharmonischen Chores erscheint eine heute allzu selten gewordene Kunst fantasievollen wie komplexen Musizierens.

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29./31.12.2016 | Philharmonie/Gasteig

Ludwig van Beethoven: IX. Symphonie (Ode an die Freude)

Philharmonischer Chor München (Einstudierung: Andreas Herrmann)

Münchner Philharmoniker

Dir.: Constantin Trinks

 

SZ vom 31. Dezember 2016
Kurzkritik
Friedensutopie

Die Philharmoniker spielen Beethovens Neunte

 

(...) Fein durchhörbar, tänzerisch und luftig zieht das Scherzo vorüber, mit knackigen Akzenten, in heller Vorfreude auf den weltumspannenden Finalsatz.

Die Legatobögen des dritten Satzes lässt Trinks ruhig und innig fließen, ein Vorausblick auf das erste Auftreten des Themas der Ode: Celli und Bässe flüstern es in die Philharmonie hinein wie eine Offenbarung. Dann bricht der Gesang aus der Instrumentalmusik heraus, der Philharmonische Chor München meißelt die Worte hingebungsvoll heraus - und das Solisten-Quartett (Alexandra Lubchansky, Lioba Braun, Pavol Breslik, Daniel Schmutzhard) legt am Ende die ganze schmerzliche Utopie einer friedlicheren Welt in seinen Gesang.

 

AZ vom 31. Dezember 2016

(...) Das Freudenfinale steigerte sich effektvoll. Die Sopranistinnen des in München immer etwas unterschätzten Philharmonischen Chores meisterten die extremen Lagen ohne jeden schrillen Ton. Der Bariton Daniel Schmutzhard verlangte die "anderen Töne" müheloser, energischer und kerniger als fast alle seine Kollegen.

Überzeugender wurde diese kurze aber wichtige Stelle lange nicht gesungen. Mit Alexandra Lubchansky (Sopran), Lioba Braun (Mezzo) und Pavol Breslik (Tenor) bildtree er ein ungewöhnlich gutes Quartett. Nur bei der finalen, arg verzögerten Kadenz gönnten sich die Vier etwas zu viel Spotaneität. Eine runde, grundsolide Aufführung. Das will bei dem Stück was heißen, das nicht wirklich von selbst läuft. Da können wir dem Neuen Jahr doch ganz gelassen entgegensehen und hoffen, dass alle Konzerte so souverän klappen.


14./15./17.9.2016 | Philharmonie/Gasteig

Saisoneröffnung der Münchner Philharmoniker 2016/2017

Richard Strauss: Don Juan

Hector Berlioz: Les Troyens (V. Akt)

Richard Strauss: Ein Heldenleben
Philharmonischer Chor München (Einstudierung: Andreas Herrmann)
Münchner Philharmoniker
Dir.: Valery Gergiev

 

 

AZ vom 16.9.2016
Münchner Philharmoniker
Saisonbeginn mit Valery Gergiev

Die Philharmoniker beginnen unter Gergiev ihre Konzertsaison: Tondichtungen von Strauss und ein Opern-Akt von Berlioz

(...) Yulia Matochkinas phantasievoll und affektsicher gestaltete Didon würde, genau so wie der Münchner Philharmonische Chor (Einstudierung: Andreas Herrmann), Lust auf mehr machen.