30./31.12.2011 | Philharmonie
Gustav Holst: Planets
Georg Friedrich Händel: "Zadok the Priest"
aus „Coronation Anthems“

"See the Conquering Heroe comes" aus „Joshua“

"Halleluja" aus „The Messiah“
Edward Elgar: Land of Hope and Glory - Pomp & Circumstance No1

Dirigent: Andrew Manze

 

 

Titel - Kulturmagazin vom 27.01.2012

Silvesterkonzert der Münchner Philharmoniker
Pomp und Knall und Tätärätä

Das Silvesterkonzert der Münchner Philharmoniker und des Philharmonischen Chors Münchens unter der Leitung von Andrew Manze. Gesehen von BJÖRN VEDDER

 

Die Münchner Philharmoniker sind echte Stimmungsathleten. Besonders bei ihren Sylvesterkonzerten. Dann schenken sie ihrem dankbaren Publikum die ganz großen Gefühle. Es soll rauschen und brausen und klatschen und was passte da besser als Händels Krönungshymnus Zadok the Priest, Music für the Royal Fireworks, See the conquering hero he comes, Arrival of the Queen of Saba und natürlich das Halleluja aus dem Messias – zumal wenn sie von einem Experten für die historische Aufführungspraxis barocker Musik dirigiert werden, wie Andrew Manze einer ist.
Dieser feierte den Enthusiasmus der Stücke, bewahrte durch seine historisch korrekte und britische Art die Aufführung jedoch davor, ganz im königlichen Lärm aufzugehen. Solch kalkulierter Rausch prägte schon die Aufführung von Holsts Die Planeten im ersten Teil des Konzerts, die das Publikum in die nötige Grundstimmung versetze. Dass dieses dann zum Schluss zusammen mit dem bravourösen Philharmonischen Chor den Beginn von Elgars Pomp and Circumstances singen durfte, wäre manchem vielleicht sogar zu viel des Guten gewesen, hätte Manze diese Zugabe nicht durch seine Grußworte ironisch gebrochen.
So endete das musikalische Jahr in einer heiteren Mischung aus Euphorie und seligem Glucksen.

 

 

Süddeutsche Zeitung (Münchner Kultur) vom 3.1.2012
Sattes Silvesterglück
Andrew Manze bei Philharmonikern

(...)
Bei Händel entfacht Manze dann jene Freude an Militärtrommeln neben Pauken, an Hörnern und Trompeten, an der Orgel und satten Streichern als Generalbass, wie sie Kinder beim Spiel mit Zinnsoldaten empfunden haben müssen. Der Philharmonische Chor München singt straff, plastisch, gestochen scharf. Manzes Händel schreitet mit feuriger Verve und verströmt dabei das einfache wie würdige Glück des satten Bauches. Wenn zur Zugabe auch noch der Beginn von Edward Elgars 'Pomp and Circumstances' ertönt, dann wäre man bereit, angezogen in die Themse zu springen, wenn Manze es beföhle. Halleluja, das Musikjahr hat begonnen.
Michael Stallknecht


Münchner Merkur (Kultur) vom 2.1.2012
Mit Prunk und gut gerüstet
Die Münchner Philharmoniker unter Andrew Manze verabschiedeten 2011 mit Schumann, Bernstein, Holst und einem Händel-Potpourri

(...) Auf Holsts Flug ins All folgte ein Händel-Potpourri, das der britische Dirigent Andrew Manze zuletzt mit einem Marsch von Edward Elgar krönte: "Pomp and Circumstance" - prägten eigentlich den ganzen Abend, den das Publikum in vollen Zügen genoss und lautstark beklatschte.
(...) Und immer sprühend vor Vitalität. Den üppig besetzten Philharmonischen Chor, der mit "Zadok the Priest" aus den Hymnen zur Krönung George II., "See the conquering hero comes" aus "Joshua" und dem "Halleluja" aus dem "Messiah" auftrumpfte, hatte Manze ebenfalls sicher im Griff.
Selbst die abgenudelsten Händel-Höhepunkte können so - mit ansteckender Freude musiziert - noch überrumpeln
Auch bei den Planeten-Portraits seines astrologisch begeisterten Landsmannes Gustav Holst entfesselte der mit zackiger Gestik zuweilen wie ein Exerziermeister agierende Dirigent ein großes Spektakel: Die Philharmoniker, in Riesenbesetzung, gingen in die Vollen, huldigten dem Kriegsgott Mars in martialischen Rhythmen, betteten Göttin Venus in schwelgerischen, zuweilen gleißenden Streicherklang und verliehen dem kecken Merkur Flügel. Blech und Schlagwerk signalisierten Jupiters Lebenslust, die jedoch vom Alter bringenden Saturn gedämpft wurde. In Vielgestaltigkeit und rhythmischem Gegeneinander wurde der magier Uranus lebendig, dem Neptun folgte - wie ein zart gewebter musikalischer Schleier, mit hereinwehenden Vokalisen des Frauenchores. Da man Holsts zwischen 1913 und 1917 entstandenes Monumentalgemälde nur selten hört, ließ sich das Publikum gern ins Weltall entführen.
Gabriele Luster


tz (Münchner Kultur) vom 2.1.2012
Kurz und kritisch
Briten im All

Silvesterknaller made in England statt Beethovens Neunter - so präsentierten sich die Münchner Philharmoniker unter Andrew Manze in der Philharmonie:
Händels "Feuerwerksmusik" leuchtete in üppiger Streicherbesetzung über achtköpfigem Kontrabassfundament. Manze, selbst Geiger und in der Alten Musik zu Hause, ließ die Kollegen gestenreich und ohne Vibrato musizieren - mal leichtfüßig oder auch festlich-pompös. Und immer sprühend vor Vitalität. Den üppig besetzten Philharmonischen Chor bei weiteren Händel-Werken hatte Manze ebenfalls sicher im Griff. Selbst die abgenudelsten Händel-Highlights wie das Halleluja aus dem Messias können noch überrumpeln bei so viel Feuer.
(...)
Gabriele Luster


Abendzeitung (Kultur) vom 2.1.2012
Klassik
Halleluja, was für ein sinnliches Vergnügen!

 

Zum Jahreswechsel durfte es auch bei den Münchner Philharmonikern bombastisch sein – in der Philharmonie servierte der dirigierende Geiger Andrew Manze die Herren Händel, Holst und Elgar
Barockmusik überlassen große Symphonieorchester fast immer den Spezialisten. Für freie Originalklang-Ensembles ist Händels „Feuerwerksmusik” aber wegen der vielen Bläser zu teuer. Deswegen überwintert dieses allseits beliebte Werk auf der Schallplatte.
Leibhaftig trifft man es nur alle heilige Zeiten. Die Münchner Philharmoniker waren mutig genug, es doch einmal zu versuchen. Der dirigierende Barockgeiger Andrew Manze ging die Sache erfreulich undogmatisch an: historisch informiert, aber nicht historisierend. Er wählt eine zur Philharmonie passende Riesenbesetzung mit vielen Streichern, Klarinetten, Posaunen, Orgel und Trommeln verschiedener Größe, die Händel so nicht wortwörtlich verlangt, aber auch nicht verboten hat. Auf diese Weise blieb der Freiluft-Charakter der Musik erhalten.
Die feierliche Pracht gewährte Musikern wie Zuhörern einen ungewohnt sinnlichen Spaß. Davor hielt Manze das Orchester bei Gustav Holsts Kracher „Die Planeten” zu disziplinierter Kraft und sparsam dosiertem Schmalz an. Der Philharmonische Chor ergänzte die „Feuerwerksmusik” mit Händels nicht minder bombastischer Krönungshymne „Zadok the Priest” und dem Triumphgesang aus dem Oratorium „Joshua”, dessen Melodie zum Weihnachtslied „Tochter Zion” wurde.
Nach dem „Halleluja” aus dem „Messias” konnte eigentlich nur noch Edward Elgars hurrapatriotischer Marsch „Pomp & Circumstance Nr. 1” kommen. Und siehe: Zum Jahreswechsel hatten die Philharmoniker exakt diese Zugabe parat. Beschwingter klang das Jahr in München musikalisch nur selten aus.
Robert Braunmüller


22./23./24.09.2011 | Philharmonie
Igor Strawinsky: Psalmensymphonie

Johannes Brahms: Ein Deutsches Requiem

Dirigent: Lorin Maazel



tz (Münchner Kultur) vom 24./25.09.2011
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tz Rose: Lorin Maazel, die Münchner Philharmoniker und der Philharmonische Chor für ihr Konzert in der Philharmonie

 


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Wucht und Weisheit: Maazel & die Philharmoniker
Eine runde Sache
Was für ein Pfund in der Philharmonie! Triumph für Lorin Maazel, die Münchner Philharmoniker und den Philharmonischen Chor. Ein ganz großes Highlight schon zu Beginn der Saison.

 

Die beiden Sternstunden im Einzelnen:
Programm: Strawinskys Psalmensymphonie und Brahms' Deutsches Requiem in einem Programm - kapitaler Kontrast, maximale Wirkung. Hier die klare, bewusst unschwärmerische Musik Strawinskys, die lateinische Bibeltexte mit archaischer Wucht vertont. Dort Brahms' ruhelose Romantik, radikal subjektiv und mit schwärmerischer Sehnsucht.
Akustik: Herr OB Ude, Frau Gasteig-Chefin von Welser, es besteht Hoffnung: Maazel mag zwar eines der phonstärksten Konzerte seit Jahren geliefert haben, aber die Tranparenz war dennoch atemberaubend! Falls Sie diesen Ausnahmedirigenten klonen könnten, dann müsste man diesen fatalen Saal vielleicht doch nicht abreißen. Oder entkernen.
Technik: Herrlich, aber wahr: Chor und Orchester bieten eine brilliante Aufführung. Fabelhafte Intonation, präsente Rhythmik, blitzwaches Zusammenwirken aller Interpreten, sonoriger Sound. Michael Volle als Bariton-Solist besticht. Jeanine De Bique singt auswendig und kommt mit metallkristall-Sopran wacker durch.
Interpretation: Maazels ruhige, abgeklärte Sicht - nur sehr selten durch extreme Effekte aufgepeppt (wie das große Ritardando vorm zweiten "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras" im Fortissimo) - dringt tief in Text und Inhalt ein. Alle Kraft geht vom Wort aus. Alles klingt aus einem Guss, ohne Verzetteln in Details auf Kosten des zwingenden Atems. Was für ein Kontrast zu Vorgänger-Chef Thielemann!
Maazels Fitness: Da braucht man keine Angst haben. Der 82-jährige, wie immer ökonomisch und exakt, wirkt frisch und hellwach. Die Zukunft kann kommen.
Matthias Bieber

 

 

Süddeutsche Zeitung (Feuilleton) vom 24./25.09.2011
Ihr habt nun Traurigkeit
Lorin Maazel verkuppelt Brahms und Strawinsky für München

Eine Liebeserklärung an den Chor.
Nach seinem letztwöchigen ersten Auftritt als designierter Chefdirigent der Münchner Philharmoniker versammelte Lorin Maazel für sein zweites Konzert nun alle verfügbaren Musiker und bot zusätzlich zum Orchester auch noch den Philharmonischen Chor auf. Den Maazel dann gleich für zwei Chorwerke einspannte: Auf Igor Strawinskys "Psalmensymphonie" von 1930 folgte das mehr als 70 jahre ältere "Deutsche Requiem" von Johannes Brahms.
Zwei äußerst unterschiedliche Werke. Gemeinsam aber ist ihnen der Bezug auf die Vergangenheit. Brahms hat Bachs geistliche Musik und Händels Oratorien im Sinn, die er machtvoll übersteigert - in den großen Ausbrüchen war bei Maazel durchaus ein Anklang an die den Tod verschreckende Wucht des Verdi-Requiems auszumachen.Strawinsky dagegen bezieht sich auf den slawischen Kirchengesang, was bei Maazel so gut wie gar nicht durchklang. Ganz im Gegensatz zur 1931 entstandenen Aufnahme mit dem Komponisten. Damit aber enden bereits die Parallelen zwischen den Stücken. Zumal Maazel auch durchaus nicht versuchte, Parallelen, Spiegelungen, Bezüge herauszuarbeiten oder zumindest zu konstruieren.
Maazel ist ein Dirigiervirtuose sondergleichen, darin ist er das genaue Gegenteil zu seinem Vorgänger Christian Thielemann. Antipoden sind die beiden auch, wenn es um den Zugang zur Musik geht.
--- Maazel ist Konstrukteur und würde nie durch emotionalen Überdruck Partituren aufzuputschen versuchen ---
Thielemann kann klangsinnlich in Gefühlstiefen vordringende Partituren besonders gut. Maazel dagegen ist ein Generalist und zudem der sehr viel objektivere Dirigent. Er kann zwischen Beethoven und der in die Tonalität verliebte Moderne alles und er kann es handwerklich brilliant. So war bei Strawinsky wie Brahms zu bestaunen, wie er trotz des kompakten Mischklangs den Bass immer als tragendes Fundament herausstellt und ausnehmend viele Details herausarbeitet.
Aber nicht immer kommt Maazel, und das fiel schon in seinen neun Münchner Jahren bei den BR-Symphonikern auf, über diese stupende handwerkliche Souveränität hinaus. Dann wirkt seine Musik so kühl, elegant und distanziert wie deer gelernte Mathematiker Maazel selbst - so wie er auch jetzt nach dem Konzert jeden Körperkontakt zu seinen Mitmusikern mied. Maazel ist als Dirigent ein Konstrukteur. Er würde nie durch emotionalen Überdruck eine Partitur aufzuputschen versuchen. Viel eher scheint er darauf zu warten, dass sich die Inspiration seiner Aufführungen bemächtigt. Das aber passt letztlich so gar nicht zu diesem genau überlegenden Musiker, und er ist dann immer auch am stärksten verblüfft, wenn sich die Inspiration zu seinem Tun hinzufügt. Diese Art des Musizierens hat es in München schon immer schwer gehabt - geliebt wie Thielemann wird Maazel deshalb nie werden.
Daher wirkte denn das Publikum nach diesem Abend leicht irritiert. Vor allem der von Andreas Herrmann dunkel und sonor, unangestrengt textverständlich und agil einstudierte Chor beeindruckte, genauso Michael Volles dramatisch auftrumpfenen Lesart des Baritonparts - während Jeanine de Bique jenseits vokaler Pracht in ihrem Solo fremdelte. Maazel aber gab den deutsch-romantischen Vorgaben von Chor und Orchester aber durchaus nicht nach. Er zielte auf keine klingende Metaphysik, sondern auf Akribie. So hellte er den Klang wo immer möglich auf, suchte Jubel und Trost und ließ beide zum Pas de deux antreten Da ging es um keine empfindsame Seele, die in der Einsamkeit klagt, sondern um einen Gentleman, der in aller Öffentlichkeit seinen Schmerz mit Fassung vorführt.
Reinhard J. Brembeck


Münchner Merkur (Kultur und Leben) vom 24./25.09.2011
Konzert: Brahms und Strawinsky
Maazel prägt schon jetzt die Münchner Philharmoniker

(...) Klanglich und konditionell am stärksten gefordert war ein Philharmonischer Chor in Festtagsform. (...)


 

Abendzeitung (Kultur) vom 24./25.09.2011
Inneres Leuchten
Lorin Maazel mit Brahms und Strawinsky im Gasteig


(...) Wirklich erfreulich, diese neue Ära beim Orchester der Stadt. (...)

 

 

Klassikinfo vom 22.09.2011

Architektur und Dramatik
Lorin Maazel dirigierte Brahms' Deutsches Requiem und Strawinskys Psalmensymphonie bei den Münchner Philharmonikern

 

(...) Es war eine brillante Idee Lorin Maazels, diese beiden ebenso unterschiedlichen wie faszinierenden musikalischen Ausdeutungen religiöser Texte gegenüberzustellen. Bei Strawinskys Psalmensymphonie ist ihm zudem - gemeinsam mit den blendend aufgelegten Münchner Philharmonikern und dem Philharmonischen Chor - eine Interpretation von Referenzrang gelungen: präzise, dicht und höchst konzentriert. Wie einen riesigen, rätselhaften Monolithen stellte Maazel das Werk in die Philharmonie, versäumte es aber auch nicht, die querständig-jazzigen Rhythmen des letzten Satzes beschwingt herauszukitzeln. Eine Meisterleistung auf philharmoniker-untypischem Terrain. (...)