Süddeutsche Zeitung vom 08.06.06 – München
Hier spielt die Musik zur WM
Ein Konzert der Superlative haben am Dienstagabend trotz eisiger Kälte etwa 28.000 Zuschauer im Olympiastadion verfolgt. Bei „3 Orchester und Stars“ trafen sich Tenor Placido Domingo, die Münchner Philharmoniker, das BR-Symphonieorchester und das Bayerische Staatsorchester auf der Bühne
Champions League der Klassik – Die Polit- und Fußballprominenz ergötzt sich an drei Orchestern, zwei Opernstars und ein paar Mannheimern
Von Andreas Schubert
Wenn der Freistaat schon einen kulturellen WM-Auftakt organisiert, dann soll es was Gescheites sein, was so richtig Großes. Oder wie es Ministerpräsident Edmund Stoiber im Programmheft von „3 Orchester und Stars“ ausdrückt: Ein „Ausrufezeichen“. OB Christian Ude preist diese Interpunktion ein paar Seiten weiter als „herausragendes Musikereignis“. Das, so viel ist über das Konzert am Dienstag zu sagen, schein gelungen – mit Wagner am Anfang, Pop zwischendurch und einem Feuerwerk mit „Pomp and Circumstance“ zum Schluss. Und wenn sich das Bayerische Staatsorchester, die Münchner Philharmoniker, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit Tenor Placido Domingo, Sopranistin Diana Damrau, Pianostar Lang Lang und den „Söhnen Mannheims“ schon eine Bühne teilen, braucht man auch einen passenden Moderator, der das Großereignis entsprechend verkauft: TV-Talker Reinhold Beckmann.
Weil der auch über Sport reden kann, eignet er sich für die Show perfekt. Schließlich sitzen unter den 3.000 Ehrengästen nicht nur Politiker und andere Prominenz, sondern auch Fifa-Boss Sepp Blatter, Organisationskomitee-Boss Franz Beckenbauer und Fußballlegende Michel Platini. Auf der Bühne sitzt derweil die „Champions League der Klassik“, lobt Beckmann. Und die spielt so gut wie Zidane, Ronadinho oder, na klar, Bastian Schweinsteiger. Die richtige Liga für Startenor Placido Domingo, den „Weltrekordler der Opernszene“.
Überhaupt wird zwischen den Stücken, alles Klassiker der Musikliteratur, viel auf der Bühne geplaudert. Seitdem weiß man: Die BR-Symphoniker spielen am besten, zumindest Fußball. Placido Domingo hat noch nie eine WM verpasst, Lang Lang klimpert nur deshalb so virtuos, weil er als Kind Tom und Jerry im Fernsehen verfolgt hat und genauso gut spielen lernen wollte wie die Comic-Katze. Den 28.000 Frierenden im Stadion gefällt der Mix aus Klassik, Pop und Talk. Beim Auftritt der Söhne Mannheims schwappt sogar kurz die „La-Ola-Welle“ durchs Stadion, die nur im Block Z1 und in der Loge (geladene Gäste) abflaut. Dass dies nichts mit mangelnder Begeisterung zu tun hat, sondern vielleicht eher mit kältesteifen Gliedern, hört man in der recht lang geratenen Pause und nach dem Konzert. Ein „super Auftakt“ lobt Bayern-Manager Uli Hoeneß, ein „wunderbarer Abend“ Franz Beckenbauer. Stoiber preist die „wunderbare Ouvertüre für die WM“, bei der sich Deutschland sehr gut gezeigt habe, Placido Domingo lobt seine Bühnenpartnerin Diana Damrau, die ihn wiederum für seinen phänomenalen Walzertanz preist. Nebenbei bemerkt: Tanzen und Fußball gehören für Domingo zusammen. Auf die Frage eines Fernsehteams, wie er wohl Brasiliens Stürmerstar Ronaldo auf der Bühne darstellen würde, tänzelt der Tenor im Samba-Schritt. Die Frage „wer wird Weltmeister?“ kommentiert er dann nach Kaisers Art: „Vamos a ver“ – schau mer mal.












